Walter Gropius aus: Ein Versuchshaus des Bauhauses* (1924) Der Mensch besitzt die unzweifelhaften Möglichkeiten, seine Wohnung ausreichend und gut zu bauen, aber eigene innere Trägheit und sentimentales Hängen an Vergangenem hindern ihn bisher an der Durchführung. Die Härte der Weltereignisse zwingt heute die Staaten und die einzelnen zur Überwindung dieser Trägheit. Durch Umstellung auf die veränderten Weltverhältnisse gilt es endlich die alte Idee zu realisieren, typische Behausungen billiger, besser und zahlreicher als bisher zu bauen und jeder Familie die gesunde Lebensbasis zu schaffen. [...] Dieser Generalplan, das "Wie wollen wir wohnen?" als allgemeingültiges, aus den geistigen und materiellen Möglichkeiten der Gegenwart gefundenes Denkergebnis, existiert noch nicht. Die chaotische Uneinheitlichkeit der Wohnhäuser beweist die Verschwommenheit der Vorstellungen von der richtigen, dem modernen Menschen gemäßen Behausung. Entspricht es etwa der menschlichen Lebensweise, daß jedes Individuum eine ganz andere Wohnstätte als das andere hat? Ist es nicht ein Zeichen geistiger Armut und falschen Denkens, wenn man seine Wohnung in Rokoko oder Renaissance einrichtet, während man doch in allen Teilen der Welt das gleiche moderne Gewand des heutigen Menschen trägt? Die Fortschritte der Technik in den letzten drei Generationen übertreffen diejenigen, die Jahrtausende vor uns gemacht haben. Entschließe man sich also im Vertrauen darauf zu kühnen Forderungen, damit durch Organisierung aller materiellen Arbeit der Geist immer freier wird. [...] *zitiert nach Claude Hill. Zweihundert Jahre deutscher Kultur. Harper and Row: New York, 1966. S. 383
aus: Ein Versuchshaus des Bauhauses* (1924) Der Mensch besitzt die unzweifelhaften Möglichkeiten, seine Wohnung ausreichend und gut zu bauen, aber eigene innere Trägheit und sentimentales Hängen an Vergangenem hindern ihn bisher an der Durchführung. Die Härte der Weltereignisse zwingt heute die Staaten und die einzelnen zur Überwindung dieser Trägheit. Durch Umstellung auf die veränderten Weltverhältnisse gilt es endlich die alte Idee zu realisieren, typische Behausungen billiger, besser und zahlreicher als bisher zu bauen und jeder Familie die gesunde Lebensbasis zu schaffen. [...] Dieser Generalplan, das "Wie wollen wir wohnen?" als allgemeingültiges, aus den geistigen und materiellen Möglichkeiten der Gegenwart gefundenes Denkergebnis, existiert noch nicht. Die chaotische Uneinheitlichkeit der Wohnhäuser beweist die Verschwommenheit der Vorstellungen von der richtigen, dem modernen Menschen gemäßen Behausung. Entspricht es etwa der menschlichen Lebensweise, daß jedes Individuum eine ganz andere Wohnstätte als das andere hat? Ist es nicht ein Zeichen geistiger Armut und falschen Denkens, wenn man seine Wohnung in Rokoko oder Renaissance einrichtet, während man doch in allen Teilen der Welt das gleiche moderne Gewand des heutigen Menschen trägt? Die Fortschritte der Technik in den letzten drei Generationen übertreffen diejenigen, die Jahrtausende vor uns gemacht haben. Entschließe man sich also im Vertrauen darauf zu kühnen Forderungen, damit durch Organisierung aller materiellen Arbeit der Geist immer freier wird. [...] *zitiert nach Claude Hill. Zweihundert Jahre deutscher Kultur. Harper and Row: New York, 1966. S. 383
Der Mensch besitzt die unzweifelhaften Möglichkeiten, seine Wohnung ausreichend und gut zu bauen, aber eigene innere Trägheit und sentimentales Hängen an Vergangenem hindern ihn bisher an der Durchführung. Die Härte der Weltereignisse zwingt heute die Staaten und die einzelnen zur Überwindung dieser Trägheit. Durch Umstellung auf die veränderten Weltverhältnisse gilt es endlich die alte Idee zu realisieren, typische Behausungen billiger, besser und zahlreicher als bisher zu bauen und jeder Familie die gesunde Lebensbasis zu schaffen. [...]
Dieser Generalplan, das "Wie wollen wir wohnen?" als allgemeingültiges, aus den geistigen und materiellen Möglichkeiten der Gegenwart gefundenes Denkergebnis, existiert noch nicht. Die chaotische Uneinheitlichkeit der Wohnhäuser beweist die Verschwommenheit der Vorstellungen von der richtigen, dem modernen Menschen gemäßen Behausung. Entspricht es etwa der menschlichen Lebensweise, daß jedes Individuum eine ganz andere Wohnstätte als das andere hat? Ist es nicht ein Zeichen geistiger Armut und falschen Denkens, wenn man seine Wohnung in Rokoko oder Renaissance einrichtet, während man doch in allen Teilen der Welt das gleiche moderne Gewand des heutigen Menschen trägt? Die Fortschritte der Technik in den letzten drei Generationen übertreffen diejenigen, die Jahrtausende vor uns gemacht haben. Entschließe man sich also im Vertrauen darauf zu kühnen Forderungen, damit durch Organisierung aller materiellen Arbeit der Geist immer freier wird. [...]
*zitiert nach Claude Hill. Zweihundert Jahre deutscher Kultur. Harper and Row: New York, 1966. S. 383