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DOKUMENTE
Walter Gropius / Martin Wagner
Ein Programm für Stadterneuerung
(1943)
- Sanierung von Einzelgrundstücken und Straßenblöcken hat sich nicht erfolgreich
erwiesen. Großzügige Sanierung, die sich über Quadratkilometer erstreckt, ist zur
Notwendigkeit geworden, seit wir uns der ineinandergreifenden Beziehungen zwischen der
Stadt und ihrer Umgebung bewußt geworden sind.
- Frühere Vorschläge wie "Die Gartenstadt" und andere, rein ästhetisch aufgefaßte
Siedlungsideen haben sich als unvollkommene Lösungen erwiesen. Die Ausarbeitung
rechtlicher, finanzieller und verwaltungstechnischer Instrumente muß zuverlässiger
Gesamtplanung vorausgehen.
- Richtige Beziehung zwischen Arbeitsplatz und Wohnung sollte für jede
Rekonstruktionsarbeit ausschlaggebend sein.
- Die bestehenden Städte müssen zunächst von Überdruck befreit werden. Einwohner, die
keine dauernde Arbeit haben, müssen zusammen mit kleinen Industrieunternehmen in neue
Nachbarschaften oder Stadtgemeinden umgesiedelt werden, um ihre Produktions- und
Kaufkraft wiederzuerlangen.
- Die neuen Nachbarschaften sollten in der Nähe von Straßen erster Ordnung erbaut und
durch schnelle Zufahrtsstraßen mit dem alten Stadtzentrum verbunden werden.
- Die Größe der Nachbarschaften sollte in Grenzen gehalten sein, die der Fußgänger leicht
bewältigen kann.
- Die Nachbarschaften müssen von einem eigenen Landwirtschaftsgürtel umgeben sein.
- Grundstücksspekulation führt häufig zum Verfall der Siedlung. Deshalb sollte die
Gemeinde selbst Besitzer des Landes sein. Die Einzelgrundstücke sollten verpachtet werden,
während die Häuser selbst Eigenbesitz sein können.
- Der Verwaltungsaufbau einer Nachbarschaft sollte in der Form eines selbständigen
Gemeinwesens mit unabhängiger lokaler Verwaltung bestehen. Selbständigkeit stärkt den
Gemeinschaftsgeist.
- Fünf bis zehn Nachbarschafts-Einheiten oder auch mehr könnten zu einem Bezirk mit
eigener Verwaltung zusammengeschlossen werden, dessen Befugnisse über den
Wirkungskreis der einzelnen Nachbarschaft hinausgehen. Größe und Verwaltungszuschnitt
einer Nachbarschaft und der ihr übergeordneten Einheit eines Bezirks können genauso für
die alten Städte bei ihrer Sanierung zur Anwendung kommen.
- Die Größe einer Nachbarschaft sollte stabil bleiben. Aber innerhalb ihrer Grenzen
müssen die Wohnungsviertel so flexibel angelegt werden, daß sie gewisse Schwankungen in
der Bevölkerungszahl absorbieren können.
- Hand in Hand mit der Umsiedlung brachliegender Arbeitskräfte in neue Gemeinden
muß der Ankauf der durch ihren Wegzug frei werdenden Gebiete in der alten Stadt gehen.
Denn erst wenn die Zusammenlegung von Grundbesitz neu geregelt ist, kann der nächste
Schritt, seine Neuverteilung für die endgültige Sanierung der Stadt, unternommen werden.
Ein Aufbausystem, wie hier skizziert, wäre eine gesunde Basis für eine Siedlungsform, die
dem technisierten zwanzigsten Jahrhundert vom sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen
Gesichtspunkt aus gerecht wird.
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