photo by Denny Moers |
DIE GEWALTIGKEIT DESSEN, WAS FEHLT
Ansteckung
Wem gehört die leise, eindringliche Stimme
Na los, spring.
Du mußt während der Nachrichten
Eingeschlafen sein.
Nein, ich bin nicht eingeschlafen. Auf Neptuns Mond wurde
ein Elektromeer entdeckt.
Das hast du geträumt.
Teer quillt in Blasen aus Rissen im Asphalt. Eine Schlange pfeilschnellt
Über die Straße,
im Nu sind ihre Bauschschuppen versengt und versiegelt.
Noch trennen Sekunden das Krachen vom Blitz,
der in den Wollkenbäuchen jauchzt.
Wie aufwühlend und hübsch, bevor das Gewitter heranrollt
Mit seinem Donnergegroll
und dem Regen.
Und jetzt hebt sich die Nadel vom Gesang der Grashüpfer
Und Freundschaften reißen wie Schnürsenkel. Jedwede Absicht,
die ich hegen mag, verdient ihren
Höhepunkt des Schweigens. Autoscheinwerfer erhellen das Mark der
Finsternis. Fledermäuse
Saugen Nektar aus Mondblumen.
Jeden Morgen das Ich als Quell des Handelns:
Die Zeitung aus dem Salbeibeet aufheben, zum
Haus des Nachbarn hinüberstarren, ohne nachzudenken.
Bitte um Erlauubnis, jede erdenkliche Frage zu stellen.
Genehmigt.
Hab ich’s versaubeutelt durch mein Gerede? Nein, den Atem hat es dir
Verschlagen
Mein Fleisch warf Blasen, die Haut fiel ab. Wozu? Du hättest dir eigenhändig
Die Augen ausgekratzt,
um nur nicht abgelenkt zu werden.
War ich auf den Abgrund zugetaumelt,
als etwas passierte? Um was zu hören? Eine leise, eindringliche Stimme?
Um was zu erblicken? Eine Farbe
Geht in ihrer Komplementärfarbe auf,
der Tag zieht seinen Abendärmel an. Gesteinsschichten fangen Sediment ein,
das nach unten sinkt, sich verfestigt, umgewandelt wird. Der lange Schlaf
der Diatomeen, die zu Quarz kristallisieren. Und trotzdem
bleibt im Gestein der Erdkruste wie in magnetischer Tonaufzeichnung
die Erinnerung an einen ursprünglichen
Dynamo aufgezeichnet.
An jedem Punkt deiner Bahn darfst du die Segel streichen.
Strahlende Dunkelheit. Sprechende Erde. Waren wir nicht einst
Innig wie Vögel und gemeinsam wach,
doch etwas hat mich ausgelöscht.
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