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Was ist Netzliteratur?
Eine Diskussion der Mailingliste netzliteratur.de

zusammengestellt von Sebastian Domsch

Die hier vorgelegten Texte sind die Dokumentation einer Debatte zur Netzliteratur, die in der Mailingliste netzliteratur.de vom 28. bis 30. Januar 2000 stattfand. Ausgelöst wurde die Diskussion durch die Mail des Neu-Einsteigers Sebastian Domsch mit der provozierenden Frage, was Netzliteratur nun eigentlich sei. Diese Mail ist unten zu finden und eröffnet die Pfade in die Diskussion, die sie hervorrief und an der neben Sebastian teilnahmen: Oliver Gassner, Werner Stangl, Ingo, Guenther Botek, Friedrich W. Block, Dirk Schröder, Christian Koellerer, Volker, Bov Bjerg und Regula Erni.

Sebastian hat die Diskussion dankenswerterweise zu einem Hypertextgeflecht zusammengefasst. Um dem Charackter der Diskussion gerecht zu werden und Wiederholungen zu vermeiden, wurden alle Antworten jeweils mit der Textpassage verlinkt, auf die sie sich beziehen (mit Ausnahme eines abschließenden "Zwiegesprächs"). Die Datein wurden in ihrem Layout belassen und von dichtung-digital nicht redaktionell bearbeitet.

Herausgekommen ist eine Dokumentation, die nicht nur zeigt, was in der Mailingliste Netzliteratur so über Netzliteratur gesprochen wird, sondern auch wie in einer Mailingliste gesprochen wird. Da diese interaktive Tätigkeit mitunter selbst als Netzliteratur bezeichnet wird, besitzt das vorgelegte Dokument Lesewert gleich in dreifacher Hinsicht.

Die Argumentation, das wird man bald feststellen, erfolgt nicht mit akademischer Stringenz. Sie ist ausholend, verspielt, abwegig. Kurz: Sie weist alle Zeichen jenes undisziplinierten Kommunizierens auf, das einen ganz eigenen Charme - nennen wir es: die Authentizität des Netzes - entwickelt. Gerade diese Mischung aus Flappsigkeit und intellektueller Wachheit macht diesen Hypertext zu einem besonderen Ereignis. Es ist ein Text, in dessen 62 Dateien sich manche Leser vielleicht verirren werden, auf jeden Fall aber auch ein Text, der an vielen Stellen Anknüpfungspunkte bietet und durch seine Linkverweise an vielen zugleich hilfreiche Absprünge bereithält.

Aus dem Spektrum der behandelten Fragen:

-Inwiefern sind Kommunikativität und Interaktivität genuine Merkmale von Netzliteratur?
-Zu welchem Grad darf die Sprache in der Netzliteratur vernachlässigt werden?
-Inwiefern muss/kann digitale Literatur experimentelle Literatur sein?
-Wer hat die ästhetische Autorität im Netz?


Ausgangsmail von Sebastian Domsch am 28.1.2000

nachdem ich mir etwa zwei Wochen lang stumm das bunte Treiben in dieserListe angesehen habe, möchte ich nicht länger lediglich als "lurker"agieren.

Leider muß ich sagen, daß mich die offtopic-Diskussionen und die oft gewollt-witzigen Schlagabtäusche fast gleich wieder rückwärts aus der Liste herausgetrieben hätten. Zum Glück bin ich lange genug drangeblieben um festzustellen, daß tatsächlich auch über Netzliteratur geredet wird.

Wie mir scheint, ist im derzeitigen Stand der Diskussion die Frage: "Was IST Internetliteratur?" längst als (momentan) unbeantwortbar oder gar (grundsätzlich) irrelevant abgetan.

Wie aber steht es mit einer anderen Frage, nämlich: "Was ist GUTE Internetliteratur?" und den sich daran anschließenden Fragen:

-Welche ästhetischen Kriterien kommen überhaupt zum Tragen?

-Gibt es bei der Bewertung von Printliteratur und Netzliteratur (grundsätzliche) Unterschiede?

-Wer hat die ästhetische Authorität im Netz?

-Wie läßt sich eine solche Autorität herstellen?

-Ist eine solche Autorität überhaupt nötig, oder ist sie den Zielen der Netzliteratur entgegengesetzt

-Jeder ist sein eigener Autor - jeder ist sein eigener Kritiker: ist diese anarchistische Ästhetik-Utopie verwirklichbar? 

-Ist sie schon verwirklicht?  

-Oder ist sie dafür verantwortlich, daß die revolutionären Möglichkeiten des neuen Mediums Chaos des Docuverse untergehen?

An alle Beiteiligten und Leser der Diskussion: Wer etwas hinzufügen will oder einen Fehler gefunden hat, schicke bitte eine mail mit dem entsprechenden Seiten-Vermerk an: sebastian@domsch.de


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