Im Linzer
Literaturwettbewerb um den
Marianne-von-Willemer-Preis
2000 ist am 8. Juni
die Entscheidung gefallen. Das ausrichtende Ars Electronica
Center hat mit zwei Preisträger gekürt (
dominoa
und
Crime)
und drei weiteren Projekten Anerkennung ausgesprochen.
Dieser Wettbewerb, für den vom 20.9.1999 - 31.1.2000
Arbeiten eingereicht werden konnten, beruhte auf zwei
begrüßenswerten Einschränkungen:
1. teilnehmen
durften nur Autorinnen
2. die Beiträge sollten "in spezifischer Weise
in ihrer Produktion und/oder Präsentation auf der
Nutzung von Internet basieren".
Begrüßenswert
sind die Einschränkungen, weil beide Zielgruppen eine
besondere Lobby brauchen. Von der vorliegenden Mischung
könnte man zugleich eine besondere soziale Einsicht
erwarten: Gehen Frauen anders zu Werke, wenn sie Literatur
mit Technologie verbinden?
Die Jury hatte es auf diese
Frage wohl nicht abgesehen, zumindest enthielt sie sich der
öffentlichen Reflexion. Überhaupt gibt es keinen
Kommentar, wie es zu den Preisträgern kam, wer
eigentlich zur Jury gehörte, wie viele Beiträge es
gab und was die prämierten von den nicht
prämierten unterscheidet. Aber diesen Mangel an
Erklärung kennt man bereits und man ahnt, dass auch die
in der Ausschreibung ausgegebene Losung "Ausschlaggebendes
Kriterium ist der künstlerische und innovative Einsatz
der eingesetzten Technologien" nicht weiterhalf, denn was
ist nicht alles innnovativ und was ist eigentlich noch
künstlerisch!
Reflexion gibt es dafür
von den Preisträgerinnen selbst. Petra Harml-Prinz,
Angelika Mittelmann, Renate Plöchl, Ilse Wagner und
Anja Westerfrölke erklären dominoa wie
folgt:
Text war immer auch
schon Bild. Das Medium Internet stellt dieses nun erneut
in den Mittelpunkt: Text setzt sich ständig neu
zusammen, wird in seiner Größe und in seinem
Format verändert, ist in Bewegung. Es entsteht eine
veränderte Aufmerksamkeit.
Verändern sich dadurch auch die Texte? Gewinnen
Fragen der Präsentation und der Repräsentation
für die Autorinnen mit diesem Medium an
Bedeutung?
Diese Aspekte werden bei dominoa zum Thema.
Das Spiel in den verschiedenen Varianten, Texte, die
visuell gleichwertig nebeneinander gestellt sind, und als
Belohnung ein Einblick in die Struktur der Website bieten
einen Zugang zu Literatur in diesem Medium.
Das klingt nach
Metaebenenliteratur und nach Visualisierung obendrein: Text
als Bild also! Die Auskunft bleibt freilich recht vage und
klärt nicht, ob sie auf die innere oder
äußere Beziehung von Text und Bild zielt, ob es
sich also um die inneren Bilder handelt, die Texte zu
literarischen Texten machen (Metaphern), oder ob es um die
Beziehung zwischen Text und Bild geht, die es seit den
Labyrinthgedichten des Altertums, den Gittergedichten des
Barock und der konkreten bzw. visuellen Poesie des 20.
Jahrhunderts gibt. Wir vermuten letzteres, denn dominoa
visualisiert Text und lässt ihn, äußeres
Zeichen des Modellwechsels, als jpg-Datei erscheinen.
Schauen wir uns an, wie das funktioniert.
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