Radar Der Blickfang in
Radar ist eine groteske, an ein Kreuz genagelte Hand.
Hauptthema und Hauptattraktion ist jedoch der Radar, der wie
ein richtiger Radar einen Kreis scannt und dabei
verschiedene Images zum Vorschein bringt. Der Klick auf ein
kleines metallenes Rechteck im Mittelpunkt bringt folgende
Worte hervor, die sich vom Mittelpunkt aus übereinander
zum Rand aufbauen (also nicht in der üblichen
Leserichtung von Außen nach Innen): "Viele Namen
wurden dieser Kugel gegeben, als Karte der großen Welt
außerhalb dient sie hier dem Reisenden im Innern der
Maschine." Damit wird
der Radarschirm als Abbildung eines Universums (der
Maschine) markiert, der Reisende im Innern der Maschine
verortet. Da die im Moment ihrer Beleuchtung auftretenden
Objekte aktivierbare Links darstellen, fungiert die Karte
im Text zugleich als Karte / Menuleiste im Prozess
der Rezeption. Es liegt also nahe, im Reisenden den Leser zu
sehen und, weitergedacht, in der Maschine den gerade
benutzten Computer bzw. das aufgerufene Programm. Das zielt
darauf, den Leser als Figur des Textes zu begreifen, was bei
einer derart auf Interaktivität basierenden Geschichte
freilich naheliegt. Die Images des Radars
stellen zunächst unbestimmte Icons dar, die auf
Mausover-Kontakt hin ihre Namen preisgeben. Diese Namen sind
zugleich unter dem Radar mit der Aufforderung "Klicken Sie
auf die Icons auf dem Radarschirm oder wählen Sie
hier:" noch einmal aufgelistet: Der Alte Wald, Gelandet bei
den Fedrigen Wesen, Die Wüste Trai, Die Erde, Im
Hangar, Das Ende, Das Dominoexperiment, Die Koje. Die Site Radar ist
alledings nicht nur Inhaltsverzeichnis, sie erzählt
auch selbst, und zwar einen ziemlich langen Text, der auf
den Input des Lesers hin allmählich an der
Oberfläche erscheint. Wir haben den Text dem Quellcode
entnommen und geben ihn hier gebündelt
wieder: Der Blick hinter die
Kulissen bekommt dem Text nicht unbedingt. Was in Einheit
mit seinem ausgeklügelten Erscheinen beeindrucken kann
und sich rechtzeitig der genaueren Kontrolle wieder
entzieht, erweist sich, im Stück und in Ruhe gelesen,
denn doch in Lexik und Duktus als problematisch. Die Sprache
changiert zwischen technizistischer Aufrüstung ("seine
Femtoaugenblicke in teraherzlastigen Zuckungen") und vagen
Verlautbarungen ("ihn zu treiben durch eine Welt deren
Existenz ihm kein Messwert beweist"). Es fehlt nicht an
Formwillen - die Plazierung der Pronomen ("...welcher zum
Lebenskristall ihm geworden") ist Zeichen genug -, es ist
eher zuviel davon da und am Ende wieder zuwenig, um aus
diesem Zuviel ein Optimum zu machen. Die Sprache ist
manieristisch, und es ist noch nicht auszumachen, ob dieser
Umstand durch das Werk gerechtfertigt wird. Wir kommen
darauf zurück. Schauen wir zunächst, ob es im
Wald auch so technisch zugeht. |