Das
Stück eröffnet mit einem schwarzen Bildschirm, auf
dem oben rechts eine Zeile in Weiss steht: "My boyfriend
came back from the war. After dinner they left us alone."
Diese Dichte im Ausdruck lässt hoffen. Was bedarf es
auch grosser Worte: Er ist zurück und alles, worauf es
wirklich ankommt, kann nicht am Familientisch besprochen
werden. Warum? Was ist passiert?
Die ganz Zeile ist ein Link,
der einzige, den es gibt, denn es kommt nur auf das eine an:
Unter sich sein nach dem Abendessen. Dieses Unter-sich-Sein
ist keines der Umarmung, wie die zwei körnigen
Schwarz-weiss-Bilder hinter dem Link schnell verraten: Beide
sitzen abgewandt voneinander, in einem weißen
Lichtkegel, wie auf einer Bühne - stellvertretend
für all die anderen Paare, die nach Krieg und Dinner
miteinander zu reden hatten. Das andere Bild, oben rechts,
zeigt das Fenster, hinter dem die Szene zu denken ist, von
aussen. Dort, unten auf der Strasse, stehen wir: die
Zuschauer. Unbeteiligte?
Es gibt nur einen Link: auf
dem Pärchen. In der Folge ist das Fenster nach links
gerückt und blinkt fortan, als stehe es in Flammen. Die
Bühne hat sich geteilt, in der rechten Hälfte,
abgetrennt durch eine weisse "Demarkationslinie", ist ihr
Gesicht zu sehen, auf dem wiederum der einzige Link liegt.
It's her turn.
Where are you? I can't see
you. So lauten die beiden Sätze, die nun zwischen das
Frauengesicht und die zwei Bilder auf der linken Seite
getreten sind. Die Bühne ist jetzt dreigeteilt. Beide
Sätze sind durch Unterstreichung als Link
gekennzeichnet, beide zeigen die gleiche Adresse. Aber auch
das Bild der Frau ist ein Link, mit einem anderen Ziel. Ab
hier muss man entscheiden; Ankunft im Hypertext. Die Texte
führen zu einem noch nicht ganz verständlichen
"Forget it", das Bild ergibt ein schon deutlicheres: "So,
last time we met when... And you promised." Darunter - das
rechte Bühnendrittel wurde wiederum geteilt - nur: "
Look!!!"
Der Leser ahnt, dass sie es
ist, die spricht, und er sieht bei Mouseover-Bewegungen,
dass der obere Text zu 127.htm führt, "Look!!!" aber zu
141.htm. Die Zählung deutet auf eine zugrundeliegende
Linearität, obgleich Links vorliegen und zweifellos
verschiedene nächste Klicks zur Auswahl stehen. Geht
man bei "Forget it" weiter, spaltet sich diese Zelle
einerseits in ein Bild, das undeutlich eine Gruppe Soldaten
vor einem Hubschrauber zeigt, andererseits in den sehr klein
geschriebenen Vorwurf "you don't trust me, i see". Der Klick
darauf bringt Gewissheit des Konflikts:
"But...
it was only once... Last summer... And if you
think...Why I should explain?...Don't you
see?".
Im Netscape-Browser wird man
den Text blinken sehen, womit er für Netscape-User
deutlich als Schlüsselstelle markiert ist; der Explorer
versteht den Blink-Tag bekanntlich nicht. Der Klick bringt
auch Gewissheit über die vorliegende Stilsicherheit: Da
ist kein Wort zuviel, aber auch keines zu wenig!
Das Prinzip der Teilung
setzt sich fort. Auch das Hubschrauberbild ergibt zwei
Zellen, die wiederum je zwei Zellen hervorbringen. Es ist
die Rede von Wandel - "My mother told me that you could
change" / "All guys change don't worry. I'll help you" - und
offenbar kommen sich die beiden auch wieder näher: "you
want me?" heisst es links, während rechts eine Uhr
diskret erst Viertel Zehn, dann Viertel nach Sechs
anzeigt.
In der Zelle unter der Uhr
erfährt man, dass es der Nachbar war; "don't kill"
heisst es, und nach dem Klick: "him" - und nach dem Klick
darauf, als verberge sich tief unten noch viel mehr: "them".
Eine raffinierte Deklination: Gab es mehrere Nachbarn? Oder
zielt dies auf jene, die ihn in den Krieg schickten und sie
dem Nachbarn überließen? "Forgive me", heisst es
in der Zelle rechts daneben. An anderer Stelle - der Link
auf "So, last time we met..." - erklingen Stichwörter
der Konfliktlösung: "we will start a new life" oder
"TOGETHER FOREVER" oder "kiss me" und: "will you marry
me".
Das Ende ist jeweils
Schweigen, denn am Ende klickt man den Text jeweils weg und
bleibt allein mit einer schwarzen Fläche, ohne Worte,
ohne Links. Der Hypertext läuft aus in seinen
Verzweigungen und ermahnt, an den anderen Stellen
fortzufahren. Auch dort dann Teilung in der Teilung und die
schwarze Fläche als Resultat. Bedeuten die
verschwindenen Texte auch das Verschwinden des Problems?
Oder zeigen die zurückbleibenden leeren Felder nur den
Reichtum an Aussichtslosigkeit an, der nach dem Krieg sich
den Pärchen in einer Mischung aus Depression, innerer
Entfremdung, Inflation und Staatszerfall darbietet?
Das Schlussbild fasst alles
noch einmal grafisch zusammen: Links wie am Anfang die
beiden, den Rücken einander zugekehrt, unter dem
Fenster. Rechts, wie nach einer Schlacht, ein Setzkasten
leerer Felder, die man als Gitter oder Fenster ins Nichts
lesen mag. Was den beiden gelingt, ist nicht abzusehen. Es
ist nicht einmal sicher, dass ihr Gespräch schon
stattgefunden hat. Vielleicht wird es sich ganz anders
ereignen.
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