|
|
Nehmen
wir gleich die erste Einstellung. Unter der Überschrift
in Rot: "(1) I concrete myself in a oscillating world !"
bewegen sich acht kleine Images über den Bildschirm,
die jeweils animiert sind und ein Männergesicht -
nehmen wir einmal an, es ist Frank Richter - zeigen, das
viel zu gross für den Rahmen ist. Man sieht auf den rot
umrandeten Schwarweißbildern abwechselnd eine der
Augenpartien oder den Halsansatz. Das ist ein nicht schwer
verständliches Symbolik: Die Multiplizierung des Ichs
und zugleich seine Fragmentarisierung innerhalb des zur
Verfügung stehenden Raumes; plus die Unstetigkeit, die
in der Bewegung über den Bildschirm liegt. Durch einen
Mousemove-Tag gewinnt die Sache allerdings zusätzliche,
medienspezifische Bedeutung.
Alles strebt zur Maus,
könnte man das beschreiben, was Richter hier
programmiert hat. Wo immer man die Maus hinbewegt, die
Bilder strömen zu ihr. Solche Effekte kennt man aus
diversen JavaScript-Libraries. Aber was dort ein billiger
Effekt ist, mit dem man die Besucher seiner Website einen
Überraschungsmoment lang beeindruckt, ist hier
raffiniert integriert in eine mehrschichtige Aussage
über die Verortung des Ich. Ich bin es, dem das andere
Ich gehorcht, ich, der User, und meine Maus.
Aber wieso ich? Der andere
kennt mich doch gar nicht! Es könnte irgendwer sein,
wenn er nur eine Maus hat. Eben; es kommt nicht auf mich,
als das Gegenüber, an. Ich bin ja selbst ein namenloser
User, der sich irgendwie zu verorten versucht in dieser Welt
der Verschiebungen. Und mir mag es dabei so ergehen wie den
Ich-Fragementen Frank Richters: Selbst die Ausrichtung aller
Teile auf ein Ziel, führt zu keinem Ganzen. Einen
Augenblick entsteht die Illusion, wenn alle Bildchen zur
Maus streben, dass sie dort wie die Mitspieler eines Puzzles
sich verbünden. Aber dem ist nicht so. Mehr noch: Die
Maus zeigt, wenn sie eines der Bilder berührt, einen
Link an. Aber sie linkt nicht. Kein Großbild
erscheint, wie es üblich ist, wenn man im Netz auf
Images von solch geringen Maßen klickt. Der zur Hand
verwandelte Kurser ist ein Versprechen, das nicht
eingelöst wird. Weil es gar kein Hinter-dem-Image gibt?
Die dysfunktionalen Links sind freilich zunächst der
Technik geschuldet, denn die Bilder sind als Layer
ausgewiesen und müssen für das Funktionieren des
JavaScripts einen Link darstellen. Indem dieser auf sich
selbst linkt, kann man die aufgezwungene Verbindung wieder
neutralisieren. Die Vorspiegelung des Links auf der
Bildschirmebene bleibt trotzdem; und wie man sieht, kann man
sie interpretativ ganz gut gebrauchen.
1
>
2
- 3
|
|