Preisträger
in dieser Kategorie wurden
Dog
View von
Ido
Vaginsky (Jurypreis)
und
Das
Taxi von Florian
Giefer (Publikumspreis). Das Publikum entschied für die
Sex-Szene im Taxi mit tödlichem Ausgang, die Jury
favorisierte das kryptische Stück um einen Pessimisten,
der gegen die Wand fährt. In beiden Fällen also
Autofahrten mit tödlichem Ausgang. Aber welch ein
großer Unterschied in der Ausführung!
Vaginskys
Geschichte blieb den
Juroren etwas unklar, die Umsetzung aber überzeugte:
Interessante Schnitte und eine raffiniert klobige Zeichnung,
die sich mitunter ganz in vertikale und horizontale Linien
verformte. Sowas hat man nicht oft gesehen.
Florian
Giefers Geschichte
ist um so eindeutiger und auch von Zeichnung und Schnitt her
keine Herausforderung. Die Zeichnung erinnert an Cartoons,
wie man sie seit Jahren kennt. Der Schnitt ist so
einfallslos wie in B-Movies: Wenn der erschrockene Fahrgast
"Stopp!" schreit, sieht man wirklich ein Close-Up auf den
Bremsfuß des Fahrers, verbunden mit
Bremsgeräuschen und der Totalen aufs stoppende Auto.
Dass das Publikum trotzdem gerade für diesen Beitrag
votierte. Gibt RTL, in derem Auftrag es entstand, mal wieder
recht.
Um so interessanter war das
Gespräch der Juroren, in dem sie ihre Positionen und
Favoriten verrieten: Sophie Estival von bechamal.com
(Paris), Laurence Rilly von Arte, Jens Schmidt von moccu.de
(Berlin), Ghazwan Hamdan von deepend.com (London) und Sven
Lennarzt von ideenreich.com. Ich liebe Action und Sound, gab
Sven Lennarzt zu, während Laurence Rilly die leisen
Töne vorzog und den Preis gern Andrzej Kostons
poetischer Stummfilm-Geschichte über einen
Engel,
der die Liebe sucht, gegeben hätte.
Mehr zur Ästhetik der
Flash-Technologie findet man unter
flash-up.de
(Annotationen zu interessanten Flash-Sites, Newsletter) und hier
im Interview mit den Juroren Laurence Rilly und
Jens Schmidt.
dd:
Wenn Jury und Publikum je einen Preis vergeben, neigt man zu
Vergleichen und Rückfragen. Hat die Jury die
Sexgeschichte im Taxi nicht gewählt, weil es das
Publikum schon tat, oder gab es trifftige
Gründe?
JS: Die Jury war sich
da nicht komplett einig. Es gab auch Befürworter der
Taxistory als Favorit. Für mich ist die Taxistory nicht
der Favorit, obgleich sie sehr professional produziert ist.
Interessant an dem Phänonen Flashfilme ist für
mich, dass auf diese Weise die Distribution von abseits des
Massengeschmack liegenden Filmen und Geschichten
möglich ist. In einer Zeit, deren Medienprogramm von
"Fastfoodentertainmentshows" und "voyeuristischem
Attraktionshunger" geprägt ist, finde ich es
erfrischend, ein Gegenpol zu globalen Klichees zu
haben.
LR: Als die Jury
für die Auswahl des besten Films zusammentraf wussten
wir noch nicht, wer den Publikumspreis erhalten würde.
Wir haben es erst später erfahren. Bezüglich
Taxi gibt es eine lustige Anekdote zu erzählen.
Eines meiner Auswahlkriterien war die Nutzung einer Sprache
in einem fürs Internet bestimmten Animationsfilm. Ich
dachte nicht, dass ein Film wie Taxi für eine
weltweite Ausstrahlung geeignet wäre, da der Sinn
dieses Films hauptsächlich auf den Aussagen des
Taxifahrers beruht. Zu meiner großen Überraschung
gehörte dieser Film zur engeren Auswahl eines der
Jurymitglieder, der weder Deutsch spricht noch versteht:
Taxifahrer scheinen sich überall auf der Welt zu
gleichen!
dd:
Was denken Sie über das Verhältnis von Effekt und
Story in Flash-Geschichten?
LR: Auf zahlreichen
Websites treffen sich ständig Flash Spezialisten, die
ihre Ideen und Tipps austauschen. Ich denke hier
hauptsächlich an den 3D Effekt, den man immer
häufiger in den Flashanimationen findet. Die
zahlreichen Möglichkeiten, die sich mit Flash bieten,
machen diese Anwendung sehr interessant, aber auch
gewissermaßen gefährlich. Durch die schnelle
Entwicklung auf diesem Gebiet kann ein Film, der heute noch
innovativ ist, morgen schon veraltet und technisch
uninteressant sein. Spezial-Effekte und eine gute Animation
allein machen außerdem noch keinen guten Film aus,
hierzu muss das Gesamtbild stimmen und auch der Inhalt
selbst, die Story muss gut überlegt sein. Wenn all
diese Kriterien zusammentreffen, dann kann man erst von
einem wirklich guten Film sprechen.
JS: Zur Zeit gibt es
viele Flashfilme die vorrangig von Effekten leben und
weniger von der Story. Das liegt sicherlich daran, das jeder
Filme entwickeln kann, der vielleicht nie Animation oder
Regie studiert hat. Dies dient allerdings auch der
Innovation und der Entwicklung alternativer
Erzählstrukturen. Ich denke das sich da in Zukunft auch
noch die "Spreu vom Weizen" trennen wird.
dd:
Es gibt Netzkünstler und aktivisten, die Flash
eine Verfilmung des Mediums und die Produktion des
"Click-Potato" vorwerfen. Was leistet Flash in Sachen
Interaktion?
JS: Das liegt daran
wie man das Medium nutzt. Prinzipiell bietet Flash ein
ungeheures kreatives Potenzial,man muss es nur zu Nutzen
wissen. Gerade die Interaktion ist das essentielle Feature
was Flash von einen traditionellen Animationsprogramm
unterscheidet. Die Flashkonferenz
Flashforum
die am 10./11. September in München stattfand, zeigte
eindeutig welche Möglichkeiten in Flash stecken. Wenn
Netzkünstler diese Kritik äußern, dann liegt
es sicherlich daran, dass sie dort eine potenzielle
Konkurrenz zu ihrer Arbeit sehen. (Sehr interessant dazu die
Elektrolobby
der Ars Electronica.)
LR: Eine der
Hauptkomponenten von Flash ist die Interaktivität.
Flash ist eigentlich "nur" ein Werkzeug. Alles hängt
davon ab, wie man es anwendet, was man übermitteln will
und welches Publikum man ansprechen will. Das Internet ist
voll von privaten Webcams und Hompages, die Leute verspüren den Drang sich am Web
zu beteiligen. Da erscheint es doch ganz normal,
"interaktive Werkzeuge" zu entwickeln.
dd:
Wen man all die coolen Websites sieht, auf denen private
Mitteilungen oder Unternehmensvorstellungen Dank Flash zu
einem visuellen Ereignis werden, hat man das Gefühl,
Flash ordnet sich ganz gut ein in die allgemeine
Ästhetisierung des Kommerziellen und des Banalen. Was
ist Ihr Eindruck?
JS: Für mich
sind Websites, die eine kommerzielle Botschaft
transportieren, aber hochgradig kreativ und visuell
anspruchsvoll sind, genauso ein kulturelles Statement wie
ein unkommerzielles Produkt. Ich bin froh, dass grosse
Unternehmen ausgefallene Websites oder
witzige Werbefilme produzieren lassen. Dadurch wird eine
breite Masse von Menschen für Äesthetik und Humor
sensibilisiert. Gerade in Deutschland gibt es da
Pionierarbeit zu tun.
Dank des Internets ist es überhaupt erst richtig
möglich geworden Spiele, Humor, ausgefallene
Visualisierungen in professionelle Kundenarbeiten
einzubringen. In der Printgrafik sind Kunden sehr viel
konservativer als im Onlinebereich, dies ist unter anderem
ein Grund warum ich Internetgestaltung so interssant finde.
Deutschland leidet noch immer an den Nachwirkungen
der dogmatischen und spaßfeindlichen Ulmer Schule, die
über einen langen Zeitraum die kreative
Weiterentwicklung lähmte.
LR: Es gibt in der
Tat sehr ästhetische und eindrucksvolle Werbung im Web.
Bei den Flash Awards mussten wir im übrigen auch Spots
für die Kategorie "Kommunikation und Werbung"
auswählen. Im Bereich der Werbung kann man sehr
interessante Dinge gestalten. Dieser Bereich ist sehr
wichtig, da es der einzig lukrative ist. Künstlerisch
gut gestaltete Werbung im Web würde für
"Flash-Künstler" heißen, dass Ihre Leidenschaft
zum Beruf wird. So würde uns die Werbung im Web auf
eine angenehme Art belästigen.
dd:
Flash-Editoren geben dem Benutzer bestimmte
Möglichkeiten im Hinblick auf Schnitt, Szenario und
Effekte vor. Wie Dog View und Das Taxi 3
zeigen, können die Ergebnisse trotzdem sehr verschieden
sein. Wie verhält sich die Kreativität des Autors
zur Kreativität des Editors bzw. des
Programms?
LR: Wenn man die
Unterschiede zwischen Dog View und Taxi
betrachtet, kommt in der Tat deutlich zum Ausdruck, wie
groß die Möglichkeiten mit Flash sind und auf
welch verschiedene Arten diese genutzt werden. Die
Flash-Filme, die mich am meisten beeindrucken, wurden
meistens von Künstlern entworfen, die aus den
verschiedensten Richtungen stammen. Sie sind z.B.
Schriftsteller, Graphiker oder Filmemacher. Flash ist nicht
ihre Hauptbeschäftigung. Sie sehen in Flash jedoch die
Möglichkeit, ihre Kreationen aus dem vorgegebenen
Rahmen springen zu lassen und sich auf eine andere Art zu
enfalten. Diese Überlegungen und Experimente sind sehr
interessant. Jeder nutzt diese Anwendung auf seine sehr
persönliche Art.
JS: Das Programm
erlaubt gewisse technische Möglichkeiten und Effekte.
Man erlebt oft, dass die Software und die Effekte die
Visualisierung diktieren. Das ist aber ein genrelles Problem
der heutigen Filmproduktion. Schaut man sich Filme wie
"Final Fantasy" an, dann wünscht man sich, die
Produzenten hätten eine Million mehr in die Story
investiert statt in die Effekte.
dd:
Die Flash-Beiträge wurden auch im Kino auf die Leinwand
gebracht und da konnte man für eine Weile schon den
Unterschied zu üblichen Animationsfilmen vergessen.
Welche anderen Voraussetzungen in der Produktion und
ästhetischen Gestaltung ergeben sich mit der
Flashtechnologie gegenüber den traditionellen
Animationstechnologien?
LR: Die
Interaktivität, das Medium, über welches es
ausgebreitet wird. Auf der Leinwand wendet man sich an ein
viel breiteres Publikum. Man sieht einen Film hier anders,
das Auge ist viel kritischer als vor dem PC. Wenn das
Phänomen der Flash-Filme auf der Leinwand sich
weitereinwickelt und Flash sein wahres Publikum findet, dann
würde diese neue Ausdrucksform aus der Enge, in der man
sie derzeit noch reinzwängt, getrieben und würde
nicht mehr als "Nerds-Gadget" abgestempelt.
JS: Vor allem die
Anforderungen des Internets erfordern bei der Produktion von
Flashfilmen einen sehr minimalistischen Angang und eine
extreme Disziplin in der technischen Aufbereitung. Wenn
jemand einen Flashfilm von 2Mb Dateigrösse für das
Internet erstellt, dann hat er definitiv etwas falsch
gemacht.
dd:
Eine Frage, die daran anschließt: Welche Kriterien
setzt ein Juror für die Bewertung eines Flash-Beitrages
an?
|
JS:
|
1) Aesthetik
(Innovation, Illustrationsstil, Typografie,
Farbigkeit)
2) Story
3) animation (Flüssigkeit, Qualität der
Übergänge, Dynamik)
4) Sound stimmig und Syncron zur Bildwelt
5) Komposition der Bilder
6) Optimierung der Datei
|
LR: Es ist eine sehr
interessante Erfahrung, Teil der so vielseitigen Jurys der
Flash-Awards zu sein. Genauso verschieden wie die Juroren
sind auch die Auswahlskriterien. Für die
Flash-Spezialisten sind technische Kriterien, wie die Dauer
der Downloads, die Qualität der Bilder,
ausschlaggebend. Ich selbst habe mich auf die Graphik, die
Tonspur, die Originalität und auf das Gleichgewicht von
Effekten und Drehbuch konzentriert. Ich finde es auch sehr
wichtig, dass man beim Sehen und Wiedersehen eines Films
Spaß hat.
dd:
Welche Entwicklung sehen Sie in der Verwendung von Flash in
den letzten Jahren? Welche Zukunft erwarten
Sie?
JS: Flash hat sich
stetig weiterentwickelt und als Standart im Internet
etabliert. Es wird neben Flash in Zukunft auch weitere
Technologien geben die sich durchsetzen werden. Mit Spannung
erwarten alle welche Technologie sich im 3d-Bereich zum
Standart entwickeln wird, was der Internetgestaltung viele
neue Impulse geben wird. Leider wird hier die Problematik
der visuellen Effekthascherei ohne Inhalt noch extremer
werden.
LR: Ich denke, dass
Flash dazu berufen ist, sich weiter zu entwickeln. Zur Zeit
arbeiten viele Leute daran dieses Format für das
Fernsehen zu optimieren. Man könnte sich z.B. durchaus
vorstellen, dass verschiedene Sender Zwischenprogramme oder
Serien in Flash ausstrahlen.
dd:
Gibt es einen Beitrag zum Wettbewerb, den Sie den Lesern
noch besonders empfehlen wollen?
JS: Was ich den
Lesern empfehlen kann, sind vor allem andere Interessante
Internetseiten, die auch gute Beispiele von interaktiver
Flashanwendung und "Storytelling" geben: