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Pekka Himanen: Die Hacker-Ethik
und der Geist des Informations-Zeitalters

Roberto Simanowski

Nach diesem Buch weiß man: Hacker haben mehr mit der protestantischen Arbeitsethik zu tun als mit FBI-Beamten. Denn erstens sind sie Enthusiasten der Arbeit, wenn auch anders als von Max Weber einst angedacht. Zweitens zerstören sie keine Informationen (Viren-Schreiber sind Cracker, nicht Hacker), sondern befreien diese. Aber eigentlich muss ein Hacker überhaupt nichts von Computern verstehen. Denn es geht um eine Haltung, nicht um eine Profession. Pekka Himanen erklärt, was es damit auf sich hat.


Sie haben genug von 9 to 5 jobs im Büro? Vom Warten aufs Wochenende? Werden Sie Hacker! Ein 14 Stunden-Tag und trotzdem: Was für eine Leidenschaft! Wer einen Computer besitzt, einen Netzanschluß und genug Potatochips, macht gern die Nacht zum Tag. Und obendrein ist man noch Revolutionär, ganz ohne Straßenschlacht. Information wants to be free heißt die Losung; der Gegner ist das Copyright der bürgerlichen Gesellschaft.

Doppelfaktor Hacker

Das Hacker-Dasein hat zwei Seiten: Die eine führt nach außen und betrifft die Open-Source-Bewegung, die Befreiung von Information. Gegner Nummer eins ist übrigens Ex-Hacker Bill Gates, dessen Ehrgeiz nun darin liegt, die Welt mit Lizenverträgen zu überziehen. Hacker wie Linux-Erfinder Torvalds schwören hingegen auf die Geschenk-Ökonomie. Die andere Seite führt nach innen und markiert eine neue Haltung zur Arbeit. Natürlich verflechten sich beide miteinander, aber nicht zwangsläufig.

Denn es sind Hacker denkbar, die nicht mal wissen, wie man eine Email verschickt. "Man kann ein Hacker-Schreiner sein", schrieb Steven Levy schon 1994 in seinem Buch Hackers: Heroes of the Computer Revolution. Entscheidend ist die Leidenschaft, die man für das aufbringt, was man tut. Linus Torvalds entwickelt im Prolog des Buches eine Motivationshierarchie für menschliches Handeln: Überleben, Sozialleben, Unterhaltung. Dass sich Sex und Krieg im Laufe der Menschheitsgeschichte vom Faktor Überleben zum Faktor Unterhaltung verschoben haben, klärt Torvalds en passant. Dass die Arbeit diesen Weg genommen hätte, kann man bisher nicht sagen. Außer bei jenen wenigen Privilegierten, die schon immer nicht des Geldes, sondern der Sache und des Ruhmes wegen wirkten: Künstler, Schaupieler, Wissenschaftler.... – nun auch Hacker.

Hacker und Marx

Das Ganze ist insofern nicht neu. Auch die Chancen, die Arbeit insgesamt von ihrem Entfremdungscharakter zu befreien und zum Ort der Selbstverwirklichung zu machen, sind nicht gestiegen. Da bedarf es schon anderer Revolutionen. Marx und Engels haben viel darüber geschrieben. Wie man sah, hat es nichts genutzt. Die Pointe liegt darin, dass die absolute Technik die Entfremdung aufhebt und einen neuen Berufszweig in den Club der Berufenen führt. Ob diese Hacker-Ethik die protestantische Arbeitsethik ablösen wird und inwiefern sie wirklich auf Schreiner ausgeweitet werden kann (und auf Holzfäller, Transport- und Lagerarbeiter), bedarf freilich einer tieferen Diskussion, in der auch Fragen der Entfremdung, der Bildungschancen und der Produktivitätsmaximierung zu behandeln wären.

Darum aber geht es Himanen nicht. Er will von Hackern reden, von ihrer Geschichte, ihrem Verhältnis zu Zeit und Geld, zu Öffentlichkeit und Privatsphäre und von ihren Karrieren als Software-Unternehmensgründer (= "kapitalistische Hacker"). Herausgekommen ist eine informative Phänomenologie mit Hang zum Philosophischen. Viel Max Weber, viel Platon, allerdings kein Hegel, kein Marx. Diese Lücke füllt auch Manuel Castell nicht, der im Epilog viel Theorie liefert, ohne viel Neues zu sagen: Vom Paradigmenwechsel des Industrialismus zum Informationalismus hat man schon gehört, der Vergleich von Politik mit dem Prinzip Hypertext wird nicht ausgeführt und die Rede von der Netzwerk-Gesellschaft formuliert im Grunde nur die Systemtheorie um. Trotzdem: Gut ist es schon, dass das alles mal erzählt wird und ein Gegenmodell zur aktuellen Arbeitsethik entworfen wird, die, anders als Sex und Krieg, noch lang nicht in der Spaßgesellschaft angekommen ist.

Pekka Himanen,
Die Hacker-Ethik u
nd der Geist des Informations-Zeitalters
256 S., Rieman: München 2001, 38,- DM
ISBN: 3-570-50020-9

Websites zum Thema:
Open Source Initiative
The Hacker Jargon File
Free Software Foundation

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