Die
Ironie resultiert intermedial aus dem Kontrast zwischen
Benennung der verlorenen Ursprungslage (hier liest der
Rezipient) und dem Ergebnis der Wiederherstellung (dies
sieht der Rezipient):
I drifted from the
scene, sagt das ordentlich aufgereihte Gedicht und wird,
sobald man ihm helfen will, erst recht ins Ungewisse
getrieben. Als sei die Ordnung der Verse ein Verstoß
gegen die wirkliche Ordnung des Seins, die eine der
Verschiebung und des Unfassbaren ist. Benennung ist
Reduktion, wie die Theorie der Différ
ance
informiert, deren spielerische Umsetzung
Seattle
Drift zu sein scheint.
Enigma
n folgt dem Prinzip und der Programmierung (DHTML) von
Seattle Drift, wenn es auch weit kürzer ist und,
bei aller eintretender Bewegung, innerhalb der
Bildschirmeinheit verbleibt. Was man findet, ist das Wort
meaning und die Klickoptionen Prod meaning / Stir
meaning / Tame meaning. Die Erzeugung von Bedeutung
sieht dann so aus, dass alle Buchstaben
durcheinanderwirbeln, was durch hinzukommende Optionen (Swat
/ Speed / Spell) variiert bzw. beendet werden kann. Der
Klick auf Spell ergibt wieder meaning, dessen
anagrammatische Beziehung zu enigma n längst
deutlich geworden ist.
Das
anagrammatische Spiel gehört traditionell zu den
Werkzeugen experimenteller bzw. konkreter Poesie, dem hier
im digitalen Medium allerdings die Zeit der Performance zu
Hilfe kommt: Durch die ständige Bewegung der Buchstaben
dies kann die konkrete Poesie des Papiers nicht
ändert sich deren Zusammenhang fortwährend,
was der Formel Bedeutung ist Rätsel noch das
Attribut unlösbar hinzugibt. Die Buchstaben sind
nicht nur in eine willkürliche Anordnung geraten
damit könnte man sich arrangieren , sie
ändern diese ständig womit auch der
annagramatisch unnütze Buchstabe n als Zahl des
Unbekannten seinen tieferen Sinn erhält.
Will man in
der Bedeutungsgebung dieses Rätsels über Bedeutung
ganz hoch greifen, kann man hier im Vergleich zu
seiner unbeweglichen Variante auf dem Papier den
Übergang von Saussure zu Derrida deklarieren:
Bedeutungsgebung ist nicht nur nicht-substantiell und
relational, sie ist auch ein unabgeschlossener Prozess, da
jedes Signifikat wieder Signifikant eines anderen
Signifikaten ist. Das transzendentale Signifikat, das
Saussure noch zulässt, stellt sich hier nur bei Abbruch
des Bedeutungsgebungskarussells ein. Die Selbstbeschreibung
des Gedichts am Ende Enigma n is a
philosophical poetry toy for poets and philosophers from the
age of 4 up gibt solch angestrengtem Zugriff
durchaus Raum. Und wenn Andrews Seattle Drift als
metareflexiven Text bezeichnet, der sich selbst
verkörpert (vgl. den Quellcode), gilt dies erst recht
für Enigma n:
Stylistically,
the piece is similar to the pop-up poems (though not
in behavior) in that the text talks about itself. I
like this approach because it focusses attention on
the questions and also allows me to develop character.
The character is the text itself, and the character
commenting on its own nature and behavior, though
embodying that nature and behavior also, beyond it but
within it, like the rest of us.
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