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Bildmedien und
Computer
Die
Stichworte Computer und Bild haben inzwischen eine
längere gemeinsame Geschichte, die das Endprodukt mit
einigen neuen Aspekten verbindet. 1. Der 'hausgemachte
Pointillismus' der Pixelstruktur, zu der sich jeder
verhalten muss - indem er sie beizubehalten oder zu
überwinden sucht. 2. Die Immaterialität des
Bildes, die im Falle des Ausdruckens kein Original, sondern
schon die Kopie ergibt, in der die Spuren des
Arbeitsprozesses - Übermalungen, Farbänderung -
getilgt sind (während sie in einer zugrundeliegenden
PSD-Datei an den verschiedenen Layern und der History der
Arbeitsschritte nachvollziehbar bleiben). 3. Bei der
digitale Fotografie kommt die entscheidende Frage der
manipulierten Realität hinzu, die der Fotografie
endgültig den Anschein der objektiven Dokumentation
nimmt und die kreative Rolle des Fotografen im
Produktionsprozess betont. (Siehe die ausführliche
Einführung von Anne Morgan Spalter: "The Computer in
the Visual Arts", 1999.)
Die Perspektive der
Realitätsverzerrung setzt freilich voraus, dass
Realität zunächst fotografiert wird, bevor man sie
mit entsprechenden Computerprogrammen viel leichter
manipuliert, als es bei der analogen Fotografie möglich
ist. Was aber geschieht, wenn das Bild sich nicht nur auf
den Computer, sondern auch auf die Vernetzung der Computer
einlässt? Pedro Meyer, der Pionier der digitalen
Fotografie antwortet auf die Frage, wie er das Internet im
Hinblick auf die Entwicklung der digitalen Fotografie
betrachtet: "It will be an intrinsic part of the medium of
photography. A platform for delivery with whole new
opportunities for publishing and sharing images."
( Interview
in dichtung-digital) Damit benennt Meyer sehr genau, was das
Internet in den letzten Jahren für die Rolle des Bildes
in der Öffentlichkeit getan hat. Es offerierte einen
Publikationsort, zu dem faktisch jeder Zugang hat, der
über Zugang zu einem vernetzten Computer verfügt.
Und natürlich können so auch die Maler und
Fotografen ihre Bilder ausstellen. Aber eben nicht nur sie.
Private Urlaubsfotos sind ebenfalls zu finden, genauso wie -
denn das steht immer früh auf, wenn ein neues Medium
sich etabliert - pornografische Bilder, professionelle und
Amateurfotos. Und das Entscheidende: Was man sehen kann,
kann man auch besitzen, indem man das Image direkt
runterlädt oder indem man einen Screenshot macht. Was
hat dies mit Kunst zu tun?
Es ist eine der Richtungen,
in die Meyers Antwort auch hätte gehen können: Die
künstlerische Arbeit mit dem zirkulierenden
Bildmaterial. Die computerunterstützte Arbeit nicht am
zuvor digital erstellten Bild der Realität, sondern an
den Bildern der Realität, wie sie im Internet - als
einem neuen Teil dieser Realität - vorliegen. Die
Manipulation fotografischer Ready-mades in der Tradition
eines John Baldessari. Thomas Ruff ist der Fotograf, der auf
diese Antwort gekommen ist.

John Baldessari,
1958/1992
Invasion
of the Body Snatchers, Piazza S. Gaetano,
Naples
(vgl. auch Balsessaris "The
Overlap Series" von
2001)
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