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Ready-mades
Online
Thomas
Ruff (Jg. 1958), der bei Bernd und Hilla Becher an der
Düsseldorfer Kunstakademie Fotografie studierte und
heute zu den weltweit bedeutenden Fotografiekünstlern
gehört, hatte mit seinen übergroßen, recht
sachlichen und zugleich sehr direkten Portraits in den
späten 80ern dem Genre der Portraitfotografie eine
zeitgemäße Form gegeben. Mit seiner Serie "Nudes"
(2000) bestimmt er Aktfotografie neu, indem er das
Fotografieren gleich doppelt ans digitale Medium bindet: Zum
einen erstellt er seine Fotos nicht selbst, sondern entnimmt
sie dem Internet, zum andern manipuliert er diese digitalen
Ready-mades mit Bildberabeitungsprogrammen, bis aus ihnen
Kunst geworden ist.
Über sein Vorgehen
befragt, erklärt Thomas Ruff in einem Interview mit
Susanne Leeb: "Finde ich Bilder, die mir vom Bildaufbau oder
von der Farbigkeit gut gefallen, mache ich ein
Bildschirmfoto. Dieses Bild bearbeite ich dann, gebe ihm zum
Teil eine neue Struktur oder eine leichte
Bewegungsunschärfe, verändere partiell die
Farben." (Texte zur Kunst Nr. 36, Dezember 1999, S. 71-75,
hier: 74) Durch Schaffung von Unschärfen,
Vergrößerung der Pixelanzahl und des
ursprünglichen Aufnahmeformats und durch die
Unterdrückung störender Details produziert Ruff
Bilder, die ihre pornographische, zum Teil recht
stümperhafte Vorlage zumeist noch in sich tragen, durch
die Bearbeitung aber zuweilen eine visuelle Qualität
annehmen, die eher an David Hamilton gemahnt als an die
Nacktheit der Hardcore-Pornographie - und in manchen
Fällen völlig die eigentliche Herkunft
verdeckt.

nudes hk29
(Image-Quelle)
Auf die Frage, wie wichtig
ihm sei, zu zeigen, dass es sich um Netzbilder handelt,
antwortet Ruff im gleichen Interview: "Wenn ich mit einem
bestimmten Medium arbeite, dann will ich dieses Medium auch
im Bild reflektieren. Das habe ich bei allen meinen Serien
bisher gemacht. Ob man meinen "Nudes" jetzt allerdings
ansieht, daß sie aus dem Netz kommen, weiß ich
nicht. Sie behalten ihre Pixelstruktur, das heißt: man
kann zumindest erkennen, daß sie aus einer
elektronischen Welt stammen." (76) Da Ruffs Bilder in der
Galerie, im Katalog, in der Zeitschrift in einem
entsprechenden Ausstellungs- und Diskurszusammenhang auf
ihre Betrachter treffen, kann man davon ausgehen, dass die
Information ihrer Herkunft nicht verlorengeht. Sie darf es
nicht, denn in ihr liegt der künstlerische Mehrwert der
technischen Bearbeitung. Die vorgenommene Recodierung
funktioniert nur, wenn die Authentizität des
Ausgangsmaterials vorausgesetzt wird; die getilgte
Vergangenheit des Bildes ist dessen eigentliches Ziel.
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