Man
könnte also sagen, dass Ruffs Dazwischentreten die
Situation des Betrachters wesentlich verbessert. Aber die
Beobachtung des Beobachters ist nicht wirklich beseitigt,
sie hat sich nur verschoben. Da die Rekonstruktion des
Originals in der Öffentlichkeit erfolgt, ist der Voyeur
auf ganz neue Weise Objekt der Betrachtung geworden; diesmal
nicht auf einer vertikalen, sondern auf einer horizontalen
Ebene. Sein Betrachten ist Teil einer kollektiven
Rezeptionssituation, seine Rekonstruktionsarbeit ist,
unausgesprochen und unvermeidlich, Objekt dieser
Rezeptionssituation. Dies setzt den Voyeur
schließlich selbst an die Stelle des nackten
Körpers, und zwar bevor dieser durch Ruffs Bearbeitung - also die Tilgung des Blicks zurück -
ging. Die Entblößung wird dabei freilich abgefangen durch die
"Maske aus Gesten": der Institution, in der, und den
Diskursregeln, mit denen die Rezeption erfolgt.
In dieser Konstellation
treffen dann auch die beiden Medien direkt aufeinander.
Während die Galeriebesucher sich bei der Rekonstruktion
der Originalbilder virtuell ins Internet entziehen, sind sie
zugleich das eigentliche Objekt der Ausstellung. Die
Abbildung dieser kollektiven Rezeption mittels WebCam auf
einer Website (der Galerie oder des Projekts "Nudes")
hätte den Kreis wunderbar geschlossen - und den Betrachter wohl endgültig im Labyrinth der
selbstreflexiven Zirkel sich verlaufen lassen.
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