www.dichtung-digital.com/2002/03-01-Bauer-Maier.htm


erfahrungen mit dem kollaborativen schreibtool nic-las und seinen ausweitungen
  joachim maier, rené bauer und http://www.nic-las.com/stalker
1 - 2 - 3



"plötzlich flackert der bildschirm." heico idensen ( www.hyperdis.de)

user + ge-use-te werkzeuge

allgemein kann heute festgehalten werden --- ob es festge=stellt werden kann ist in unseren zeiten, bei sovielen undingen (vgl flusser - ) fraglich geworden --- dass nur noch wenig wirklich festgehalten werden kann. deswegen werden wir im folgenden nur noch im sinne eines "es lässt sich momentan beobachten" schreiben:

"user benutzen medien und medien benutzen user." user bringen meist ihre spezifische wahrnehmung von "was medien können müssen" mit, sie nutzen die technik wie sie denken --- was durch autologie + selbstbeobachtungsloops führt, aus denen passende antworten auf irritationen führen. das medium email zb., wird in diesem sinne für jeden user etwas anderes --- führt durch persönliche zusammenzüge und gruppenzusammenzüge (erwartung). was man dann sieht hängt letztlich wieder von den werkzeugen ab, durch deren vermittlung man den raum begreift, in den man sich potenziell weiten kann --- das sogenannte virtuelle, das im nächsten schritt für anschlusshandlungen zur verfügung steht. gedanklich erwarteten wir spielerische user, die spielerisch an dinge heran gehen, deren lernkonzept ein "t(ry&)error" ist. also die einsicht, dass die meisten dinge nicht mehr klassisch (input=output=true) erlernbar sind, sondern dass deren ober=fläche in interaktion geweitet, erfahren und gesprengt werden muss, um im nächsten level zu landen.



schwebendes schreiben

es hat sich jedoch gezeigt, dass die meisten referenzen, die mit usern verwechselt werden können (meist personen, seltener bots oder gar suchmaschinen), sich eher durch ihre klassischen ausweitungen (extension - mcluhan) weiten, also erwarten, was sie schon immer erwartet haben. sie schreiben texte für ein papiermedium, weil sie medien wie nic-las für papiermedien halten (als was sie durchaus benutzt werden können) --- die meisten virtuellen werkzeuge sind noch zu virtuell (=zu schwebend), weil sie noch nicht an produktions- und denkprozesse gekoppelt sind und so benutzt man die werkzeuge notgedrungen intuitiv.

es gilt also eine art des schreibens zu entwickeln, die über das publishen hinausgeht, eine kultur die auf "schwebendes schreiben" (vgl. schwebendes urteil) hinausläuft. schreiben am text und am medium und bio-power-mässig auf den rücken des schreibenden wie in kafka's strafkolonie, wo der zusammenbruch des schwebezustands unendliche erkenntnis und desintegration in eins fallen lässt. schweben bedeutet dann auch, wonach wir uns unseren urteilsspruch noch selbst schreiben mögen --- als zu gebrauchende software wie eben nic-las. texte enstehen darin immer als etwas vor=läufiges, als unfertiges (leben in einem immer unfertigen konstrukt), stehen nie allein im nichts, herausgelöst, sind immer schon teil einer vernetzung, con=text=(d)ualisiert, erzeugen in ihrer offensichtlichen mediatisierung doppelte kontingenzen + anschlussmöglichkeiten und profitieren von ihrer umgebung. con=text=(d)ualisiert und verdreifachter text, entsteht dann mit jeder operation in einem gemeinsamen prozess von variation (schreiben, geschrieben bekommen) und auslesen, von kommentieren und weiterschreiben, von einfügen und eingefügt bekommen. die doubles und gegenüber, die sowieso immer mitschreiben zeigen sich dann mehrwertig im text und in verschiedenen medialen anschlüssen.

schwebendes schreiben setzt viel voraus, oft zu viel für eine produktion im universitären umfeld, wo viel text nur für den namen, die referenz des autors publiziert wird --- und ist allenfalls eine chance für noch unbekannte, eine möglichkeit maschinenräume zu besetzen --- oder wer möchte nicht mit seinen dissertationsthemen unter den top10 bei google erscheinen? statt dinge wie: autor a,b schreiben wir heute die community schrieb --- referenz www.nic-las.com/p1ng. schwierig zu denken, nicht wahr --- erwartet doch das heutige konstrukt mensch immer etwas handhabbares, belegbares. sehr bald wird nach den berechtigungen gefragt, nach "wer darf löschen, wie kann man sich schützen ?" man erwartet die damönischen löschfinger, die delete-anarchisten. und man wird weiter warten, denn selbst die anonymen singen "warum sollte ich löschen, verändern, wenn ich es sowieso jederzeit tun kann." was für einen sinn macht die delete-operation noch in datenbanken, die nur zu einer umkehrung der vorzeichen des vorhanden-seins führt --- eines winzigen schalters, der jederzeit wieder von 0 nach 1 umgelegt werden kann.

schlimmer noch, welchen sinn macht es zu löschen, wenn die operation von allen mitschwebenden beobachtet werden kann? und doch kann man im gutenberg-modus, das schwebende schreiben zum absturz (verschwinden) bringen --- mit schmunzeln erinnern wir uns an eine gruppe informatiker, die mit einem nic-las usability-informationen zusammentragen und diskutieren wollten. nach anfänglichen erfolgen, unternahm der dozent vor ort den fehler, seine (ausschliesslich) jüngeren herren mit der eigentums-funktion auf nic-las vertraut zu machen --- gleich digitalen zäunen (stacheldraht) im wilden westen, kann man mit der hide object function sagen "das ist mein object, das kann nur ich sehen" --- alle anderen müssen ins nichts schauen. genauso ist es dann auch gekommen, in einem anfall kollektivem aktionismus, haben die leute (wohlgemerkt jeder für sich von zu hause aus) allen content im system individualisiert und propreblematisiert. mit der folge, dass nach einigen tagen jeder nic-las-content praktisch je für fast alle unsichtbar blieb. desintegration und lichtung.


1 > 2 - 3