www.dichtung-digital.com/2002/03-01-Bauer-Maier.htm


erfahrungen mit dem kollaborativen schreibtool nic-las und seinen ausweitungen
  joachim maier, rené bauer und http://www.nic-las.com/stalker
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die erwartung des subversiven oder das simulierte ende


in medien wie nic-las taucht das klassisch suberversive ("im realen" : das anonym unfassbar hingekritzelte, gesprayte) nicht auf, es scheint als sei es in der möglichkeit, sich anonym zu äussern, verschwunden. vielleicht hat aber auch nur jede kultur ihre subversive kultur, in diesem fall die kultur des nicht-schreibens, des nicht-änderns, das gefühl nichts beizutragen zu können.


hier zeigen sich die auswirkungen eines sozialen geprägt-seins, die den einzelnen zum nicht-angebrachten, nicht relevanten gebraucher und konsumenten programmiert --- schauen sie mal kinderprogramme für 1-3 jährige aus verschiedenen ländern an --- in finnland sind zb. tanzen und singen (immer 10 übergrosse stoffbären mit 2 blonden mädchen), skigymnastik und langlaufski kaufen die ganz normalen aktivitäten der kleinen vorbilder :) gerade im beobachten der, weiterschreiben an und be-arbeiten der "heute-so-wahrgenommenen-kultur" sind medien wie nic-las besonders geeignet, weil sie potenziell jene flat-ierung (=oberflächenbildung) zulassen, fördern oder in sich fördern lassen --- die den radikalisierenden zusammenzug ermöglicht. selbstbeobachtungsmedien einer kultur, die zumindest abstrakt jenseits von einer absicherung nach hinten, ins reich der bücher geführt werden kann, in eine welt der variationen statt der kanonisierung, die ausbreitend-wuchernd immer virtuellere räume konstruiert und besetzt. wuchert über extensionen der gemeinschaft, wie gemeinsames schreiben (carpet-tool), surfen und kommentieren (looking-class tool --- wie haben andere diese internet-seite gesehen, was haben sie notiert, was gefunden, wie passt das beschriebene in den kontext unserer community)? und es muss vielleicht zitiert werden, was in einem nic-las für kurze zeit stand: "die experten unserer kultur sind die, (da sie sich auf nichts mehr verlassen können) deren theoriebildung sich nicht mehr rückführen lassen auf älteres --- erst sie sind ungebunden."




dynamische un-dinge = autopoesis, digitale unbewusste, subvisuals

virtualisierende medien wie nic-las kommen mit funktionen daher, die zwar real nachbildbar wären --- so wie man durchaus ein mechanisches tetris bauen könnte --- die dennoch digital und computervermittelt funktionieren, um das gegenüber als computer (=in allen konstruier=programmierbaren spielarten) zu nutzen, zu missbrauchen. einspielungen, die im ergebnis zur konstruktion von dynamischen objekten, verschiedenen spielarten des unbewussten oder den nahverwandten subvisuals führen --- die bei jedem zusammenzug angeschlossen an andere maschinen mitdenken, in dem sie passende bilder oder suchresultate auf google, oder wortdefinitionen bei wordnet einspielen.

medien (bücher, on-line zeitungen und andere statische web-sites), die meist wie operational geschlossene systeme (mit einer festgeschriebenen identität) funktionieren, werden durch den anschluss an dynamische un-dinge unberechenbar und durchaus lebendig. operational gleichzeitig geöffnete und geschlossene systeme wie nic-las, beantworten auf ihre art die ausgangsfragestellung autopoietischer theoriebildung "woran erkenne ich leben". autopoietische systeme wie nic-las generieren unerwartetes, indem sie sich in eigenartig-nebenläufigen eigenaktivitäten engagieren.

wir leben und arbeiten immer intensiver in und an maschinen, die mit sich mit jeder eingefügten virtualisierung total aktualisieren mögen --- jedes neue bild, jeder text wird dynamisch verteilt und steht dann auf einmal potenziell zu jedem anderen element (event, thema, user, etc.) in beziehungen. sich von dergestalt mehrwertigen systemen sozialisieren zu lassen, bedeutet, dass sich der sinnvoll anschlussfähig gehaltene raum (=das welt-letztbegründende medium sinn bei luhmann als prozessierbare differenz von aktualität und virtualität) immer auch durch jedes login, jedes neue element, jedes erneute gefunden werden von einer suchmaschien verändert wird. im gegensatz zu den lebensweltlichen räumen, die immer nur über die aktualisierung kontrollieren --- wem gehört diese mauer, da darf nicht gesprayt werden, sonst kostet der reinigungsdienst etc. so gedacht wird luhmann vom konservativen system-fuzzy zum fast schon revolutionären element, wenn er uns einlädt, die kommunikation von virtualiät (das für den nächsten schritt sinnvoll verfügbar gehaltene) mit-zu-denken.

und auf unsere erfahrung mit nic-las bezogen: am anfang werden solche gedanken --- und entsprechend entwickelte werkzeuge um virtualität zu begreifen --- zumeist als noch witzig wahrgenommen, als "ist noch nett" - erst langsam bemerkt man den "nutzen", wenn zufällig aus dem nichts (digitales unbewusstes - "wie traumatisiere ich ein nic-las?") das unbewusste auftaucht und texte in neue umgebungen stellt --- je nach vorlieben und perversionsgrad nach freud oder dann doch etwas deleuzianischer angeordnet? un-dinge entstehen in netzen, werden über rhizome sichtbar --- für den moment, paste + kopierbare zusammenzüge für sekunden und --- manche vielleicht stabilisiert, eingeschrieben virtuell-erinnerbar für jahre.


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