Die beiden Aspekte, die es in den neueren Kinder- und Jugendliteraturadaptionen zu vereinen gilt, könnten strukturell kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite befindet sich die Narration, zu deren Strukturmerkmalen die Erzählforschung neben individualisierten Personen und einer sukzessiv-logisch aufgebauten Geschehensstruktur auch die Aspekte Raum und Zeit zählt. Das Spiel - es hat sich als sinnvoll erwiesen auf das Regelspiel zu rekurrieren [3] - hingegen kennt keine individualisierten Figuren, keinen fixen, logischen Aufbau und keine vorgegebenen zeitlichen Strukturen.
Einzig der Aspekt Raum hat, schlicht betrachtet, in beiden Medien eine ähnliche Funktion: als Gestaltungsmittel transportiert er in Regelspiel und Geschichte Stimmungen und Atmosphäre. Somit ist der Raum das einzige der oben aufgezählten Strukturmerkmale, das einer Verknüpfung von Regelspiel und Geschichte nicht entgegensteht. Die anderen Konstitutionsmerkmale einer Narration sind mit der Struktur des Spiels nur schwer zu vereinbaren. Denn für den Verlauf eines Spiels ist ein gewisses Maß an Zufälligkeiten konstitutiv. Wie soll in einer solchen Struktur der Charakter einer Figur ausdifferenziert oder ihr gar eine Entwicklung ermöglicht werden? Ebenso wenig kann in einem am Ludischen orientierten Aufbau ein logisch gefügtes Geschehen präsentiert werden.
Die Formulierungen lassen den Kern des Problems bereits erahnen es ist die Disposition narrativer Gebilde, die Genette mit dem Modus Ordnung beschreibt, die der Struktur des Spiels divergent gegenübersteht und eine Verbindung beider Medien erschwert. Ich werde im Folgenden das Problem mit der Terminologie Genettes zur Zeitstruktur von Narrationen zu fassen suchen und im Anschluss unterschiedliche Lösungsansätze skizzieren.
Der Modus der Ordnung besagt, dass bereits eine Geschichte in der Rohform einer Erzählung eine festgelegte logische Struktur aufweist. Obwohl sie natürlich nicht chronologisch erzählt werden muss, man denke an Analepse und Prolepse, bauen ihre Episoden oder Segmente aufeinander auf.
Für die Geschichte als Rohform der Erzählung garantiert die Ordnung ein sinnvolles Episodenarrangement. Die Handlung einer Person kann oft genug nur stimmig interpretiert werden, wenn sie zuvor Wissen erwarb oder mit einer anderen Figur zusammentraf. Unter Einhaltung der Ordnung kann ein psychologisch stimmiges Bild von Figuren ausdifferenziert werden. Neben diesen Funktionen für den Sinn der Geschichte hat der Modus Ordnung auch Funktionen innerhalb der Erzählung. Der ästhetische Zugewinn z.B. einer Perspektivierung ginge im Fall der Nichtbeachtung der Ordnung verloren.
Es ist müßig, die Relevanz dieser Kategorie noch weiter auszubuchstabieren. Brisanter ist die zunächst banal erscheinende Feststellung, dass das Regelspiel eine solche Ordnung nicht kennt. Die einzelnen Szenen stehen in keinem übergeordneten Zusammenhang, sondern scheinen eher zufällig angeordnet. Ihre Reihenfolge bestimmen die Spielenden, determiniert sind sie dabei nur von den Regeln des Spiels und - falls es sich um ein Glücksspiel handelt - vom Zufall oder durch die Einflussgröße 'eigenes Können - wenn es sich um ein Geschicklichkeits- oder Denkspiel handelt. Abgesehen von dieser Determiniertheit ist das Spiel von Wahlfreiheit bestimmt. Die Spielenden bewegen sich selbstbestimmt durch das Spiel, über den Spielplan, durch den Spielraum.