|
|
Anders
als bei realen Lektüre- und Bedeutungsgebungsprozessen
ändert sich im vorliegenden Falle allerdings nicht
Aussage A durch Aussage B, es ändert sich die Aussage
an sich, die für den Leser in jedem Falle
unverständlich bleibt. Abgesehen davon, dass dies
technisch kaum anders zu lösen war (die aleatorische
Erstellung eines sinnvollen Textes ist schwieriger als die
Reaktion der Maschine auf die Texteingaben des Users beim
Turing-Test), ist es der Sache im Grunde nur dienlich, denn
durch das Überspringen der Bedeutungsgebung in erster
Instanz wird um so mehr der Aspekt des Bedeutungsgebens
hervorgehoben. Wir verstehen den Akt der Änderung, ohne
deren Ausgang und Resultat selbst verstehen zu müssen.
Freilich, das ist auch der
Moment, da Literatur in Konzeptkunst umschlägt. Indem
das Verfahren die Aufmerksamkeit völlig auf den Akt der
Bedeutungsgebung lenkt, also von Anfang an metareflexiv
operiert, wird das Geschichtenerzählen thematisiert,
ohne dass eine eigene, neue, andere Geschichte erzählt
würde. Das ästhetische Gewand des Projekts ist die
Allegorie, die genauso direkt zur Sache kommt und, anders
als das Symbol, ihre Aussage gar nicht erst mit dem Mehrwert
eines narrativen Eigenlebens versieht. Biggs' Projekt
liefert damit in der Phänomeneologie digitaler
Ästhetik ein gutes Besipiel dafür, wie die Arbeit
mit Literatur in einem digitalen Setting nicht zu digitaler
Literatur, sondern zu digitaler Kunst führt (zur
Begriffsdifferenzierung vgl. "Definitionen und Typologien
digitaler Literatur seit 1989"). Aber nicht nur ist der Text
bei Biggs unverständlich und verwandelt sich
fortwährend in neue Unverständlichkeit. Den
Anstoß dazu, das darf man nicht vergessen, gibt der
'Leser' selbst.
1
- 2
- 3
>
4
- 5
|
|