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Am
Anfang war das Buch. Aus Übermut und Lust am
Experiment, den Folgen digitaler Besessenheit, habe ich es
bei meinem Debütroman "Der Kahuna Modus" (2001,
Eichborn) nicht bei der klassisch-narrativen Form belassen,
sondern den Stoff zudem noch in zwei verschiedene
ludisch-ergodische Varianten zu übertragen versucht. So
gibt es die Geschichte jetzt nicht nur auf toten
Bäumen, sondern auch als Shockwave Textadventure und
MUD. In ersterem, dem "Kahuna Mode Fiction Game",
schlüpfen die Spieler in die Rolle der Hauptfigur
Nadine. Ihre Aufgabe ist es, Kahuna Level 3 zu erreichen,
das Herz ihrer großen Liebe (Ary) zu gewinnen - und es
zu behalten und gegen das "Big Nasty" zu verteidigen. Hier
ist der Handlungsverlauf noch sehr am Buch orientiert.
Viel mehr und freiere
Entscheidungs-, Eingriffs- und Variationsmöglichkeiten
zu der ursprünglichen Vorlage bietet hingegegen das
kahunaMUD. Es ist eigentlich ein MOO (Multi User Dungeon,
Object Oriented), eine codierte Bühne, die Fortsetzung
meines Romans mit digitalen Mitteln, und ein Spielplatz
für fiktionale Weltenbummler. Hier kann sich jeder
einrichten, mit den Romanfiguren, der Autorin oder anderen
LeserInnen kuscheln, abhängen oder sich betrinken,
flirten, kostümieren, fantasieren etc. Geht es auch im
Roman inhaltlich um Wizards und weiße Hasen,
Transformationen, alternative Lebensformen und die
(Un?)Möglichkeit der Unterscheidung zwischen Fiktion
und Realem und fiktionaler Selbstbestimmung, so
läßt sich im kahunaMUD erleben, wie sich so etwas
wirklich und direkt anfühlt, das Turing'sche
"Imitationsspiel", das "Making Up" eines Gegenübers, in
der eigenen Vorstellung und als Freude an der Maskierung,
den Chancen zum Liebesspiel. Denn, "wenn man wirklich liebt,
ist es egal, ob der andere ein Mann oder eine Frau oder ein
Dreieck ist" (Karen Duve).
Für mich liegen
besonders in den retro-verdächtigen Text-MUDs
große Potentiale für neue erzählerische
digitale Formen, eine Chance zu einer Art Subkultur, im
Schatten der grafisch ausreizenden Werke der großen
Spieleentwickler. Dennoch, so sehr mir die Entwicklung des
MUDs auch Freude bereitet (hat), bin ich mir nicht sicher,
ob ich meine Autor/ität zB bei einem Roman in diesen
neuen Formen nicht auch vermissen würde. Denn dass
diese Machtverschiebungen auch Änderungen in der
AutorInnenrolle mit sich bringen, ist
selbstverständlich. Vom Buch über das
Textadventure bis zum MUD bleibt dem Autorsubjekt immer
weniger Einfluß, kann die Geschichte auf das
Wesentliche reduziert oder um andere, neue Elemente
erweitert, verbessert, lebendiger werden, aber auch "out of
hand" geraten.
In meinem Beitrag in
Romainmotier wollte ich deshalb nicht nur das kahunaMUD
vorstellen, sondern auch zeigen, inwiefern meine eigene
Rolle als AutorIn sich durch diese offeneren Formen
verändert. Vielleicht stärker hin zu der einer
Regisseurin im Hintergrund, die korrigierend eingreift,
falls erforderlich, aber immer mit Liebe - von der Art, wie
Eltern ihre Kinder lieben. Oder auch traditionelle
AutorInnen ihre Figuren.
Da sich die
Präsentation hier nur schwer reproduzieren
läßt, bin ich zur Dokumentation und besseren
Veranschaulichung einiger auf dem Symposium angesprochener
Theorien und Thesen noch einmal selbst in die Höhle des
MUDs hinabgestiegen und meinem eigenen Geschöpf
gegenüber getreten. Hier
ist das Ergebnis.
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