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Vielleicht
sollten wir zu Beginn auch gerade klären, dass die
Partnersuche nicht für jedermann dasselbe bedeutet. So
suchen sicherlich viele Personen eine starke Schulter, die
jedoch auch Tränen zeigen kann, den rationalen
Gefühlsmenschen und den sportlichen
Müssiggänger, der gerne kocht aber auch gerne
bekocht wird. Vielleicht darf es im Notfall noch der
verlässliche Draufgänger sein, der sich sowohl
für Kunst, Yoga, Qi Gong, Bachs Gesamtwerk, aber auch
für guten Techno interessiert. Dass Mann / Frau / Frau
/ Mann in der Beziehung sowohl Nähe wie auch Distanz
sucht, versteht sich von selbst. Diese Partnersuche ist
jedoch bei weitem noch nicht die einzige. Gesucht werden
auch Tennispartner, Emailpartner, Reisepartner,
Businesspartner, andere unternehmenslustige Rentner und
vielleicht auch nur eine xxxgeile Riesenxxx, die einen
wieder mal so richtig von xxx und von xxx xxxx. Mit den
soeben genannten Versionen der Partnersuche kenne ich mich
jedoch noch weniger aus, als mit der am Anfang
beschriebenen. Bleiben
wir mal bei den Menschen, die sich auf den weltweiten
Datenströmen auf die Suche nach einem
Lebensabschnittspartner, wie das seit den 90er Jahren
korrekt heisst, machen.
Natürlich gibt es auch
verschiedene Arten auf dem Netz einen Partner zu finden. Die
wohl erfolgsversprechenste ist dabei die Kontaktanzeige. Die
Kontaktanzeige ist an sich nichts neues, und erfreut sich
auf dem Internet reger Beliebtheit. Man kann sogar sagen,
dass sich die Kontaktanzeigen, wie auch ein Grossteil der
Wohnungs- und Kleinanzeigen, von der Zeitung auf das
Internet verschoben haben. Denn das ist billiger, kann zum
Teil anonym (?) erfolgen und man kann das Inserat, wenn denn
kein Bedarf mehr besteht, selbst vom Netz entfernen. Die
Verlagerung dieser Anzeigen weg von den Printtiteln hin aufs
Netz, stellte für die Verlage natürlich einen
beachtlichen Umsatzrückgang dar. Im Falle des Schweizer
Verlages TA-Media passte man sich insoweit an, dass man
selber als Anbieter von Internetkontaktanzeigen usw.
auftrat. Die von TA-Media betriebene Internetseite heisst
www.partnerwinner.ch
und ist die erfolgreichste Kontaktanzeigenbörse der
Schweiz. Dort erstellt man ein Profil seiner Selbst oder
sucht auch nur nach einem geeigneten Partnerprofil. Bereits
dieser Teil beinhaltet jedoch zwei Schwierigkeiten. Denn zum
einen kann die Identität frei erfunden sein und zum
anderen wissen wir aus der Psychologie, dass das Selbstbild
und die Realität in 99% nicht übereinstimmen.
Doch nun genug der
Hürden, wenden wir uns den Besuchern dieser Site zu.
4110 User dieses Internetportals sind von Evelina
Bühler-Ilieva im Rahmen einer Studie
der Soziologischen Fakultät an der Universität
Zürich befragt worden. Um nicht zu langweilen,
möchte ich auch nur die wichtigsten Resultate
zusammenfassen. Tatsächlich hat fast ein Viertel der
Personen (23 Prozent) eine feste
Liebesbeziehung auf
der Datingplattform PartnerWinner aufgebaut - davon war die
Hälfte der Beziehungen (12 Prozent) zum Zeitpunkt der
Befragung immer noch intakt. Dass die Partnersuche bei den
Erfolgreichen auch die "ultimative" war, bezeugt die
Tatsache, dass 71 Prozent zusätzlich meinten, der
gefundene Partner sei der richtige Partner fürs Leben.
Der Cyberspace liegt zusammen mit dem Arbeitsplatz an der
Spitze der Orte, wo laut der Befragten romantische
Beziehungen geknüpft werden. Traditionelle
Paarungstempel wie die Disco oder die Universität
liegen weit abgeschlagen. Die User wurden auch über die
Vor- und Nachteile des Online-datings befragt. Kurioserweise
scheinen die Vorteile des einen, die Nachteile des anderen
zu sein. So gaben 75 Prozent der User an, dass die
Anonymität ein grosser Vorteil ist. Jedoch beklagten
sich 36 Prozent, dass man den anderen nicht sieht oder
spürt und es nicht möglich ist, sich ein Bild des
anderen zu machen (25 Prozent). 50 Prozent erachten es als
Vorteil, dass man weniger Hemmungen hat, doch die Tatsache,
dass man alles schreiben kann, sehen 70 Prozent als
Nachteil.
Diese Zahlen bereiten mir
ein wenig Kopfschmerzen, denn es muss User geben, die
weniger Hemmungen sowohl als Vor- wie auch als Nachteil
ansehen. Nun aber zur interessantesten Feststellung: Das
Durchschnittsalter der User beträgt 34.3 Jahre. Viele
User haben schon längere Beziehungen hinter sich und
suchen nach einer langfristigen Partnerschaft (56 Prozent).
Aha! Die Kontaktbörse also doch nur für Leute, die
wirklich langsam ihr Plätzchen auf der sonnigen
Beziehungsinsel suchen? Wie
sieht es denn aber bei meiner Generation aus? (An der
Fragestellung kann man erkennen, dass der Schreibende
entweder über oder unter 30-40 Jahre alt ist. Ganz
genau besitzt er einen Jhrg. 1977)
Da es dazu leider noch keine
Untersuchungen gibt, war ich auf Feldversuche in meinem
näheren Umfeld angewiesen. Dass einer meiner Freunde
schon einmal eine Kontaktanzeige (ernst oder xxx) aufgegeben
hatte, wollte niemand zugeben. Doch wenn ich ehrlich bin,
traue ich das schon dem einen oder anderen zu. Jedoch haben
sich ein paar twentysomething über den Chat
kennengelernt und sich dann auch verabredet. In eine
Beziehung ist das aber bei keinem der mir bekannten
Fälle gemündet. Klar kannte jemand einen
Mitstudenten, dessen Cousin jemanden kennt, dessen
Halbbruder...usw.... Im besten aller Fälle mündete
das Abenteuer im Bett oder in einer Freundschaft. Sehr
häufig hörte ich jedoch, dass beim realen Treffen
das Interesse schnell verflog, was in diesem Falle bestimmt
nicht der Fehler von SkyLab war. Sie entsprach nicht
meinen Anforderungen, hörte ich. Oder noch
schlimmer: Ich entsprach nicht ihren
Anforderungen.
Die Vermutung der Leser,
dass sich das zu einem grossen Prozentsatz auf
äusserliche Attribute beschränkt, bestätigt
auch meine Recherche. Wenn sich diese Vermutung jedoch zu
einem Vorwurf postuliert, muss ich entgegnen: Wer gab uns
MTV und Privatfernsehen? Wer zählte uns ab 14 zur
werberelevanten Zielgruppe? Die Zürcher Firma
Freitag
schien genau diesen Punkt als wesentlichen Marktvorteil
für sich zu nutzen. Sie lancierten eine neue
Kleidermarke SKIM.COM,
bei der jedes Kleidungsstück eine individuelle Nummer
trug. Hinter dieser Nummer verbarg sich eine Email-Adresse.
Trug also dein Schwarm eine Jacke mit der Nummer 123 456, so
konnte man ihn unter 123456@skim.com
erreichen. Die Marke wurde wegen mangelndem Erfolg
eingestellt, was nach meiner Einschätzung weniger auf
die Idee, als auf die viel zu teuren Klamotten mit
schlechter Qualität, zurückzuführen
ist.
Wie sieht es denn nun aber
bei den Teenagern aus? Diese scheinen überhaupt keine
Berührungsängste mit den für sie in
Hülle und Fülle bestehenden Kontaktangeboten auf
dem Netz zu haben. Ein Vorteil dabei ist sicher, dass man es
mit der Identität noch nicht so genau nimmt, da
wahrscheinlich viele noch nicht wissen, wer sie denn
wirklich sind. Besonders beliebt ist BRAVO.de,
das zu jeder Uhrzeit von ca. 4000 Usern genutzt wird. Darauf
finden sich Chats, Kontaktanzeigen aber auch ein
kostenpflichtiger Flirtbarometer. Über die Website wird
eine SMS verschickt, die beim Empfänger prüft, ob
dessen Schwarm die gleiche Telefonnummer hat wie der
Produzent der SMS. Hier wird dem Liebesdiskurs das
Erröten und der Mut ausgetrieben; Liebesanträge
ohne Risiko. Jedoch zeigt ein solcher Dienst auch auf, dass
Jugendliche durchaus bereit dazu sind, für
imaginäre oder virtuelle Dienste Geld auszugeben.
Dies bestätigt auch ein
Artikel in der Septemberausgabe von Wired,
der besagt, dass Jugendliche unter den Konsumenten im Netz
einen überproportional grossen Anteil ausmachen. So ist
zum Beispiel der Grossteil der Internetuser, welche
über das Netz umsonst Musik beziehen ist zwischen 25
und 35 Jahren alt. Wie weit die Konsumfreuden der
Jugendlichen gehen, zeigt am besten das Beispiel
Habbohotel.
Dies ist ein Chatroom mit Avataren, bei dem man sich auch
private Räume einrichten kann. Gegen ein Entgelt, das
über die Telephonabrechnung bezahlt wird, kann der User
sich Einrichtungsgegenstände für sein Privatzimmer
aussuchen. Dies ist dann fast ein virtueller
Ikea.
Betrachtet man alle
Ergebnisse zusammen, so lässt sich sagen, dass Baggern
auf dem Netz wohl nicht wirklich schneller ist als in der
Realität. Beide Varianten haben ihre Vor- und
Nachteile. Sind im Job die berufliche Stellung oder die
Kompetenz ein ausschlagender Faktor, so sind es in der
Diskothek oder im Fitnesscenter das nette Erscheinungsbild
und der lockere Spruch. Auf dem Netz sind wohl vor allem
Offenheit und die Kunst des Schreibens erfolgsentscheidend.
So gesehen muss jeder für sich entscheiden, wo er
welchen Partner mit welchem Aufwand anbaggern möchte.
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