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www.dichtung-digital.org/2008/2-Simanowski-1.htm
Digitale
Medien in der Erlebnisgesellschaft
Epilog
von Roberto
Simanowski
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Der
Epilog in Simanowskis Buch Digitale
Medien in der Erlebnisgesellschaft. Kultur, Kunst,
Utopien
unternimmt einen Ausblick auf die aktuelle Rolle
der Kunst im Hinblick auf ihre terroristische
Sättigung. Dabei unterläuft die
Terrorisierung des Ästhetischen (der
Theaterbesuch mit Bombenalarm) ebenso wie die
Ästhetisierung des Terrors (die Installation
mit Echtzeittodesmeldungen) das Spaßmodell
der Erlebnisgesellschaft dadurch, dass sie die
ästhetische Erfahrung doppelt an den Tod
bindet: als Gefährdung des Publikums und als
unmittelbare Zeugenschaft durch das
Publikum.
Die Einleitung
situiert die interaktive Kunst der digitalen Medien
im Kontext der Erlebnisgesellschaft und stellt die
verschiedenen Positionen zu dieser vor. (Siehe auch
Kapitelabstracts
und Einleitung.)
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Am 16.
September 2001 nannte Karlheinz Stockhausen im Rahmen einer
Pressekonferenz zum Auftakt des Hamburger Musikfestes den
Terroranschlag auf die Zwillingstürme des World Trade
Centers wenige Tage zuvor „das größte
Kunstwerk, was es je gegeben hat“. Man könnte
meinen, diese Äußerung folgt der Logik der
Präsenzkultur, indem sie die ästhetische
Intensität eines Ereignisses von dessen Bedeutung
abkoppelt und wertfrei betrachtet. Aber Stockhausen wusste
sehr gut, was das Ereignis repräsentierte. Wenn er auf
die unvergleichliche Wirkung verweist, die jene „Aufführung“
hatte – „Dass Geister in einem Akt etwas
vollbringen, was wir in der Musik nicht träumen
könnten, dass Leute zehn Jahre üben wie
verrückt, total fanatisch für ein Konzert, und
dann sterben“ –, verrät er die Eifersucht
des Künstlers auf den Attentäter, der sich
für erfolgreicher im Verbrechen erweist, als es der
Künstler je sein könnte. Natürlich wirkte ein
solcher Neid im Angesicht der fieberhaften Suche nach
Überlebenden skandalös und führte zur Absage
aller innerhalb des Musikfestes geplanten
Stockhausen-Konzerte. Ob Stockhausens Äußerung
mit größerer zeitlicher Distanz als zynische,
aber angemessene Selbstbeschreibung der Erlebnisgesellschaft
tolerierbarer ist, kann hier nicht entschieden werden. Als
der britische Künstler Damien Hirst ein Jahr
später in einem BBC-Interview den 11. September als „artwork
in its own right“ bezeichnete, zwangen jedenfalls, wie
zuvor Stockhausen, auch ihn die Wogen der Empörung
bald, seine Worte zu bedauern. In den Beispielen, die uns
zum Abschluss beschäftigen sollen, verschiebt sich die
Verbindung zwischen Kunst und Terror: Es geht nicht um die
ästhetische Anerkennung für erfolgte Terrorakte,
sondern um die Wirkung ihrer latenten Drohung auf das
ästhetische Erlebnis.
Für
die Spaß- und Erlebnisgesellschaft bedeutete der 11.
Septembers insofern das Ende, als er wieder Ernst macht mit
dem Erlebnis. Das Ereignis des 11. September ist das
gerissene Bungee-Seil, der abgestürzte
Gleitschirmflieger, der erfrorene Bergsteiger usw. in einer
derartigen Potentialität und Öffentlichkeit, die
nur noch als Rückkehr existentieller Bedrohung
wahrgenommen werden kann. Terrorakte lassen, so möchte
man meinen, keinen Spielraum für ästhetische
Erfahrung. Dies mag stimmen, wenn es sich, wie bei
Stockhausen und Hirst, um die Ästhetisierung
terroristischer Akte handelt. Was aber, wenn eine
Terrorisierung ästhetischer Ereignisse vorliegt? Davon
war in Kapitel 6 mit Blick auf Hans Neuenfels’
Inszenierung der Mozart-Oper Idomeneo schon die Rede.
In diesem Fall hatte der Einspruch eines anonymen Anrufers
gegen die ehrfurchtslose Darstellung Mohamets das
Gefühl einer diffusen Terrordrohung erzeugt, das zur
vorübergehenden Absetzung der Inszenierung führte.
Nach Wiederaufnahme in den Spielplan, so lautete die
Schlussfolgerung, werden der Theaterbesuch zur Mutprobe und
das Spektakel wieder zum ‚Geschoss’, das dem
Betrachter zustößt. Was für die
Idomeneo-Inszenierung gilt, trifft auch auf Uwe Eric
Laufenbergs Inszenierung von Salmon Rushdies Satanischen
Versen im Potsdamer Hans-Otto-Theater zu, die am 30.
März 2008 Premiere hatte. Das Bewusstsein der Gefahr
äußerte sich in diesem Fall nicht nur im
Rückzug eines türkischstämmigen Schauspielers
aus dem Vertrag und in der Diskussion der restlichen
Schauspieler, ob man mit kugelsicherer Weste auftreten
solle, sondern auch in der Polizeipräsenz: vor dem
Theater in Uniform, im Theater in Zivil. Die Situation
entbehrt nicht der Ironie, sollten diese ‚Flight-Marshalls’
mit Bodenhaftung nur aufgrund ihres Einsatzbefehls einen Ort
betreten, den sie in ihrem Privatleben möglicherweise
beharrlich meiden. Abgesehen davon bedeutet die Situation
eher das Ende der Ironie. Wenn der Gang ins Theater zur
Mutprobe wird, erhält dieses nicht nur seine allgemein
menschliche Bedeutung zurück, sondern wird endlich auch
die Kunst zu dem, was für die Erlebnisgesellschaft so
zentral ist: zum Abenteuer. Ein Abenteuer allerdings mit
zwei ganz neuen Gesichtspunkten.
Die
Mutprobe dieses Theatergangs unterscheidet sich
grundsätzlich von der des Bergsteigens oder
Bungee-Springens, denn sie steht nicht im Zeichen des
Erlebniswerts, sondern ist Bekenntnis zum demokratischen
Wert freier Meinungsäußerung und offener Kritik
auch in satirischer Form. Indem die ästhetische
Erfahrung an ein ethisches Statement gekoppelt ist,
verwandelt sich – faktisch durch die Hintertür
(Metapher!) und schon im Foyer (Ortsangabe!) – die
Bühne wieder zu einer moralischen Anstalt. Diese
Re-Moralisierung (und Politisierung) des Ästhetischen
vermindert paradoxerweise zugleich den sittlichen Abstand
der Erlebnisgesellschaft zu ihren Feinden, die jener ja
gerade den Mangel an Werten – nicht zuletzt an
solchen, für die man zu sterben bereit ist –
vorwerfen. Wer ins Theater geht, um gegen terrorbereite
Fundamentalisten sein Leben aufs Spiel zu setzen, rückt
diesen auch ein bisschen näher. Diese Situation am
Anfang des 21. Jahrhunderts korrigiert die Ersetzung des
politisch, funktionalistisch und ethisch basierten
Handlungsmodells durch das hedonistische, die Gerhard
Schulze für die Erlebnisgesellschaft am Ende des 20.
Jahrhunderts feststellte, sowie die Etablierung des homo
aestheticus als neuer Leitfigur, die Wolfgang Welsch
daraus ableitete. Wenn die Terrorisierung des
Ästhetischen die Grenze zwischen Kunst und Wirklichkeit
durchbricht, kann Kunst bzw. die Begegnung mit ihr wirklich
töten. Der kategorische Imperativ lautet dann nicht
mehr „Erlebe dein Leben!“ (Schulz 1992: 58f.),
sondern: Setze es aufs Spiel!
Der
Ernst der Lage führt natürlich zu einer Umkehr der
Erwartungen und unterläuft das Prinzip der
Erlebnisgesellschaft sowie das Konzept des Erhabenen (wie es
Jean-François Lyotard für die Präsenzkultur
entwirft). Die Hoffnung besteht nun darin, dass das Ereignis
ausbleibt bzw. dass es darin besteht, dass Nichts geschieht.
Die Beobachtung, dass solcherart Terrorisierung des
ästhetischen Erlebnisses die Erlebnisgesellschaft an
ihre Grenzen führt, bedeutet natürlich nicht, dass
diese Terrorisierung wünschenswert wäre.
Wünschenswert ist, dass die Beispiele der Deutschen
Oper und des Potsdamer Theaters Ausnahmen bleiben und somit
die Rede von einer neuen Existentialität des
Ästhetischen gegenstandslos erscheint. Wenn das
ästhetische Erlebnis zur Lebensgefahr wird, gesellt
sich zur „falschen Aufhebung“ der Autonomie der
Kunst, die Peter Bürger in der Unterhaltungskultur und
Warenästhetik sah (1974: 73), eine zweite bzw. tritt
ihr am anderen Extrempunkt gegenüber. Steht die eine am
Anfang der Erlebnisgesellschaft, stünde die andere an
ihrem Ende. Diese Art Einspruch gegen die
Erlebnisgesellschaft ist, wie gesagt, nicht zu hoffen. Der
Einspruch – und die Verbindung von Kunst und Leben –
kann weniger lebensgefährlich erfolgen: im Verweis auf
Lebensgefahr durch das Kunstwerk selbst. So wird die
Hoffnung, die die Theatergänger in den angeführten
Beispielen am eigenen Leibe als Wunsch erfahren, quasi zu
einer moralischen Verpflichtung in einem anderen, nicht
durch die Umstände, sondern durch einen Künstler
geschaffenen Beispiel, das uns zurückführt ins
Reich der digitalen Medien.
Caleb
Larsens Installation Monument (if it Bleeds, it
Leads) (2006) untersucht jede Minute, vermittelt
über das Google-News-Programm, die Schlagzeilen von 4
500 englischsprachigen Online-Nachrichtenquellen weltweit
nach Meldungen über gewaltsame Tode. Für die
berichteten Todesfälle entlässt ein Gerät an
der Decke des Installationsraums gelbe, fünf Millimeter
große Plastik-Kugeln (die englische Bezeichnung
dafür lautet: BB) in den Raum, die dessen Boden zu
bedecken beginnen. Diese Kugeln führen zurück an
den Anfang dieses Buchs, denn sie künden von einem
anderen Spiel, mit dem Kinder und Erwachsene die Gräuel
der Erwachsenenwelt imitieren. BBs werden für
Spielzeugwaffen benutzt und können, aus entsprechender
Nähe und auf entsprechende Körperteile abgefeuert,
durchaus schmerzhaft sein. Die BBs, die im Spiel prinzipiell
nicht töten, repräsentieren hier, im Kontext der
Kunst, bittere Realität. Die Entweihung des
Körpers, die Paul Virilio in der Kunst des 20.
Jahrhunderts feststellte, wird scheinbar fortgesetzt, indem
der geplagte Körper im Moment seines Todes zur
spöttischen Unpersönlichkeit einer kleinen gelben
Plastikkugel ohne Namen, Herkunftsort und
Individualität verkommt. Allerdings wird bald klar,
dass Monument den Körper des Unbekannten zum
Problem des Rezipienten macht gerade durch den Widerspruch
zwischen den kullernden BBs und dem fließenden Blut,
das sie verkörpern.
Die
natürliche Erwartung des Publikums, dass etwas
passiert, produziert, wie Larsen erklärt, ein
moralisches Dilemma angesichts der Konsequenzen dieser
Erwartung: “the viewer finds himself secretly and
selfishly waiting for someone to be killed only so that he
can watch a little yellow ball bounce around on the floor.”
In dieses Dilemma verwickelt sich selbst Larsen, dessen
natürliche Intention es ist, die technische
Meisterschaft seiner Installation zu belegen, während
ihn die Konstellation seines Werks zu hoffen zwingt, dass es
keinen Nachweis seiner Funktionstüchtigkeit geben kann.
So verbaut Monument Publikum wie Künstler
gleichermaßen den narzisstischen Gefallen an
technischer Präzision. Die Spannung, die Larsens
Konzeption zwischen dem Spielerischen der Plastikkugeln und
der tödlichen Information ihres Erscheinens aufbaut,
trifft ins Herz der Medien- und Erlebnisgesellschaft, in der
das Spiel zur populärsten Kulturform, die
Unglücksmeldung zur unterhaltsamen Begleiterscheinung
des Alltags und das Echtzeiterlebnis zum Versprechen von
Authentizität geworden sind. Der Fall der BBs ist so
aufgeladen, dass das Publikum wünschen muss, das Werk
fände nicht statt. Zugleich verbietet sich die
Betrachtung von Monument im Modell der
Präsenzkultur, denn der Fokus allein auf die
Materialität, die Entkoppelung des Ereignisses von
ihrer Bedeutung bedeutete, die vermeldeten Todesopfer
nochmals sterben zu lassen.
Das
Wünschen verhindert freilich nicht, dass die
nächsten BBs fallen. Diese Erfahrung – dass etwas
geschieht und nicht nichts geschieht – gilt es zu
ertragen. Das Publikum mag sich unschuldig fühlen, ist
sich dessen aber nicht sicher. Monument unterminiert
das Vergnügtsein, das für Adorno Einverstandensein
heißt: „nicht daran denken müssen, das
Leiden vergessen, noch wo es gezeigt wird“ (1981:
167). Die Moralisierung des ästhetischen
Vergnügens äußert sich im Fall des gelben
Balls in doppelter Weise. Das Spiel mit dem Tod (im
Abschießspiel) wird Ernst und das Vergnügen am
Geschehen (in der ästhetischen Situation) wird durch
seine Bedeutung zum Anlass des Missvergnügens. Man kann
Adornos Ästhetik, wenn man so will, als „Lehre
vom ästhetischen Kreuz“ bezeichnen, die den
Ausdruck des Leids gegen den Schein des Schönen setzt
und somit das Kunstwerk an die vakante Stelle Christi (Bolz
1999: 134). Monument ist ein Beispiel dieser
Ästhetik, das das Bild des gequälten Menschen vor
der Verdrängung rettet im Bild der
Verdrängung: ein gelber Plastikball, der
ursprünglich das Spiel des Tötens
repräsentiert und nun das Töten als Realität
bezeugt. Die Spaßkultur, deren Merkmal der
Infantilisierung im Vorwort am Beispiel der Phantasy-World
und des Geländespiels für Erwachsene festgemacht
wurde, wird zur Leidkultur durch das Détournement
eines ihrer populärsten Symbole.
Das
Missvergnügen beruht allerdings nicht nur auf der
ernüchternden Symbolik des Spielballs, sondern auch auf
dem Vergnügen, in das sich diese Symbolik auf einer
anderen Betrachtungsebene verwandeln lässt.
Während die spontane sinnliche Freude am Auswurf der
BBs auf raffinierte Weise durch die Kenntnis seiner
Hintergründe blockiert wird, erzeugt das Bewusstsein
dieser gelungenen Formalisierung des bedrückenden
Themas wiederum ein ästhetisches Vergnügen auf der
Reflexionsebene. Die Verstörung des Publikums, das
clevere Spiel mit seinen Erwartungen, gehört ganz klar
zu den Absichten des Künstlers. Je erfolgreicher er das
Publikum irritiert, desto überzeugter zollt ihm dieses
Beifall, was man intellektuelle Wertschätzung nennen
mag oder auch ästhetischen Genuss. Die Erkenntnis
dieses moralischen Dilemmas (das Vergnügen an der
gelungenen Ästhetisierung des Grausamen) und die
Einsicht in seine Unvermeidbarkeit bereitet
schließlich ein Missvergnügen höherer
Ordnung: Man fühlt sich schuldig, weil man das Leid
anderer aus einer ästhetischen Perspektive betrachtet.
Dieser Widerspruch ist einerseits unvermeidbar, andererseits
ist er auch schon die Lösung: Das Schuldgefühl
generiert zugleich ein gutes Gewissen, denn es belegt, dass
man als moralisches Wesen empfindet und nicht nur als
ästhetisches oder intellektuelles. Rettung auf der
intellektuellen Ebene liegt wiederum in einer weiteren
dialektischen Wende, die Adornos negative Ästhetik
parat hält: Indem das Kunstwerk Zeugnis der Katastrophe
ist, hält es, durch die vermittelte Hoffnung, zugleich
die Möglichkeit der Utopie wach. Diese Hoffnung wird im
vorliegenden Fall durch jeden neuerlichen Einbruch der
Katastrophe in die geschaffene Situation erneut produziert;
die Hoffnung, dass nichts geschieht.
Monument
treibt damit auf die Spitze, was in Still
Standing (Kap. 5) als Kritik interaktiver
Geschäftigkeit angedacht ist, aber, als Aktion
des Stillstehens, noch dem Paradigma der Interaktivität
und des Ereignisses verhaftet bleibt. Monument ist
der Einspruch gegen eine Ästhetik des Ereignens auch
aus produktionsästhetischer Perspektive, da selbst der
Künstler hoffen muss, dass sich sein Werk nicht
ereignet. Es ist zugleich die Antwort der digitalen Medien
auf das Problem der Zeugenschaft in der Mediengesellschaft,
das bei Hans Blumenberg als Schiffbruch mit Zuschauer
1979 recht ernüchternd verhandelt wurde, als er das „angenehme
Grauen“ des Zuschauers, der den Untergang der anderen
vom festen Land aus beobachtet, als Paradigma einer
Daseinsmetapher beschrieb. Die psychologische Funktion
dieser aufregenden Zeugenschaft war schon Lukrez,
Blumenbergs Ausgangspunkt, bekannt, der in seiner Schrift
Von der Natur der Dinge vor mehr als zweitausend
Jahren schrieb:
Süß ist’s,
anderer Not bei tobendem Kampfe der Winde
Auf hochwogigem Meer vom fernen Ufer zu schauen;
Nicht als könnte man sich am Unfall anderer
ergötzen,
Sondern weil man sieht, von welcher Bedrängnis man
frei ist.
Aus
dieser Perspektive sind Katastrophen und ihre Opfer
wichtiger Bestandteil nicht erst der Erlebnisgesellschaft.
Der Tod der anderen vermittelt das „süße“
Gefühl, am Leben zu sein. Das ultimative Erlebnis ist
das Erlebnis des Todes. Dieses Erlebnis, so könnte man
meinen, bietet Monument mit jeder Plastikkugel, die
in den Raum fällt. Aber das Gefühl, frei von
Bedrängnis zu sein, stellt sich nicht ein im Warten auf
die nächsten BBs. Die Situation ist zu konstruiert und
zugleich zu real. Man fühlt sich ertappt. Nicht weil
die Toten Gestalt annehmen, sondern weil das angenehme
Grauen des Zuschauens Gestalt gewinnt. Während man
angesichts der Katastrophenbilder im Fernseher sagen kann:
Das ist die Realität!, stellt Larsens Installation die
Frage, wie man sich dazu verhält. Monument ist
das Kunstwerk, das der Erlebnisgesellschaft die Leviten
liest. Es ist – konsequenter und naturgemäß
humorloser als Still Standing – der Einspruch
gegen das Paradigma des Events auf ästhetischer wie
ethischer Ebene. Appell des Innehaltens und Aufruf zur
Reflektion. Rückkehr ins Leid der Menschen.
Détournement der Erlebniskultur - Übertreibung
und Ende.
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