Im
Gegensatz zu den rechtlichen und kulturpolitischen
Auseinandersetzungen um Copyright und Distributionsrechte im
musikalischen Bereich, ...
cut. blöder
anfang!
Lieber direkt einsteigen in
die Praxis gegenwärtig laufender Projekte. Die
Hintergrund-Theorien und netzpolitischen Interventionen
fallen dann nebenbei ab ...
Trotz aller Experimente im
Bereich der Medien- und Netz-Kunst bzw.
kommunikationsorientierter Kunst-Projekte, trotz der
Versuche, durch mediale Schaltungen und Vernetzungen
Gruppen, Populationen, Kollektive, Vielheiten zum Sprechen
zu bringen, anstatt isolierte Werke und Texte einzelner
Subjekte zu präsentieren, trotz dezidiert
demokratischer Gebrauchsweisen neuer Medien, trotz
Gruppenarbeit in neueren Ausbildungs-Szenarien und
kollaborativer Strukturen in weiten Bereichen von Natur- und
Technik-Wissenschaften und trotz community-basierter
Kommunikationsformen in mailing-lists, Webforen
...
... basiert der Diskurs der
Kulturwissenschaften noch immer hauptsächlich auf
Aussagen und Texten, die aus ganz klassischen
Autorenfunktionen generiert und in der Folge dann auch unter
dem Namen eben jener Autoren kommuniziert werden.
Das ist umso
verwunderlicher, als gerade die Kultur- und
Geisteswissenschaften es eigentlich besser wissen
müssten, werden sie doch seit den 60er Jahren permanent
und nachhaltig infiziert vom einem Virus, das das Ende des
Autors, des Buches, des Subjekts, ja der hierarchischen
Baumstrukturen genealogischer Macht-Verhältnisse
überhaupt verheißt.
Aber weder
Kommune-Erfahrungen, Künstlergruppen, Filmkollektive,
Schreib- und Therapiegruppen, weder
Mitbestimmungsinitiativen, kollegial geführte
Unternehmen, Universitäten, weder
Schriftstellerkollektive, noch auf Gruppenarbeit basierende
Arbeitsorganisationen (etwa in der Autoindustrie), weder
Gruppenimproviationen im freien Theater, noch chorische
mehrstimmige Inszenierungen, ganz zu schweigen von den
Team-basierten Arbeits- und Organisationsformen
unzählicher start-ups in den Informationstechnologien,
dem Kommunikationssektor und den klassischen kreativen
Produktions-Bereichen (etwa der Werbung, Film- und
TV-Produktion) ...
... haben ihm etwas anhaben
können - dem Autor.
Animositäten des
Rest-Bildungsbürgertums oder des absteigenden
Mittelstands, Sehnsucht nach Ruhm und Erfolg können ja
wohl kauf dahinter stecken.
Totgesagte leben länger
- und es sind ja auch immer wieder berühmte Autoren
gewesen, die sich mit eben jenen Theorien vom Ende der
Autorschaft einen Namen als Autor gemacht haben.
Was
tun?
Man könnte/müsste
einerseits bessere community-software, bessere Tools
für Text-Kollaborationen entwickeln bzw. bestehende
Systeme auf breiterer Basis installieren und an laufende
Forschungs- und Publikations-Projekte anbinden, man
könnte eine Dissertation über "kollaborative Text-
und Theoriearbeit in digitalen Diskursen" schreiben und
dabei in der Form schon einmal entsprechende dynamische
Text-Operationen und -Flüsse simulieren ...
... aber frei nach der
Devise des CREW-Kollektivs
ist es besser, etwas direkt in der Praxis auszuprobieren,
als nur darüber zu schreiben:
Im Science Fiction
wird seltsamerweise kaum geschrieben. Das scheint in der
Zukunft nicht mehr nötig zu sein. Es tauchen
sprachliche Viren als Kommunikationswaffen auf, immer wieder
direkte Anschlüsse an diverse
Körperschnittstellen, nicht zu übersehen die auch
überall anzutreffenden Monitordisplays, die aber
größtenteils für visuelle Kontrollfunktionen
benutzt werden, dann und wann müssen Kennungen
eingegeben werden, abgeschnittenen Daumen fingieren als
kleine Hackerhilfe zum Eindringen in Gebäude mit
intelligenten Türen, die Fingerabdrücke
einscannen, verschiedenste Arten der Seherweiterungen,
Augenaufsätze und -adapter verhelfen den Usern zu einer
erweiterten Weltsicht, Literatur wird von Automaten
produziert, Lesen ist verboten, Bücher werden auswendig
gelernt, Hacker loggen sich ein in die labyrinthischen
Datenbanken multinationaler Multimedia- und
Netzwerkkonzerne, die User vor den Monitoren stellen fest,
dass sie eigentlich auch nichts weiter als eine
Software-Routine im Arbeitsspeicher eines
übergeordneten Computersystems sind, ab und zu wird
eine Abwandlung des Turing-Spiels gespielt, philosophische
Fragen werden an überdimensionale Elektronengehirne
abgeschickt, ständig klingeln Handies, sogar in
Krimiserien wird im Internet nach Täterprofilen
recherchiert, emails für den Kommissar, immerhin
existiert ein elektronischer Reiseführer durch die
Galaxis, in philosophischen Mailinglisten wird darüber
spekuliert, was wäre wenn z.B. Nietzsche ein Modem
gehabt hätte, auch James Joyce, Roland Barthes, Michel
Foucault, Deleuze&Guattari wird eine virtuelle Adresse
in den Gefilden der Netzkultur zugewiesen ...
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