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Idensen: Odysseen im Schreibraum

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Wer oder was schreibt also auf welche Art und Weise in kollaborativen Schreibprojekten...
und auf welche Art und Weise arbeitet das "Schreibzeug" mit an den Online-Gedanken?

Eine Methode besteht darin, das "lost in hyperspace"-Syndrom des Gesamt-Webs weiterzuschreiben, ästhetisch zu überhöhen und nicht-intentionale zufällige Strukturen zum Prinzip zu erklären:

"Die Imaginäre Bibliothek ist ein Werkzeug des Verirrens", sie soll die Leser von Ihrem Weg abbringen, zu Irrungen, Wirrungen, Umwegen, Sub-Versionen verführen. Extreme Linkhäufigkeit (ca. 10-30 Links pro Bildschirm-Seite) soll sprunghaftes Lesen erzeugen und dem Leser bei der Entwicklung eigener Such- und Verknüpfungsstrategien und Pfade helfen. (In der Offline-Installation haben wir Engführungen zu den "offenen Büchern" zu erzeugen versucht. Obwohl die Animation zum Mitschreiben kein Selbstzweck ist ...)

Das Feedback zur und in der Imaginären Bibliothek (nur offline möglich in den verschiedensten Installationen - etwa auf der Ars Electronica 1989 oder dem EMAF 1990) besteht hauptsächlich aus kleinen Assoziationen, Ergänzungen, spontanen Einfällen zu dem von uns inszenierten Imaginationsraum Bibliothek. Auch Schreibspiele (Endlosreime und rekursive Sätze) werden ausprobiert und kombinatorische Text-Generierungen (eine Sonettmaschine nach Queneau oder mesostichische Wortgenerierungen à la Cage) durchgeführt. Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 5 bis 15 Minuten werden allerdings die von uns auch intendierten komplexeren Mitschreibemöglichkeiten (Romananfänge weiterschreiben oder das Herstellen von Text-Cut-ups auf der Basis eines Grundbestands von Science-Fiction Zitaten) wenig benutzt.

Nach weiteren schlechten Erfahrungen mit linearen Weiterschreibemöglichkeiten (etwa in dem historischen Flop "Schreiben Sie ein Buch mit Herbert Rosendorfer", das in Kooperation mit dem Goethe-Institut Luxemburg durchgeführt wurde - Dokumentation unter http://www.hyperdis.de/txt/alte/goethe/) wurde uns klar, dass das INTERFACE, d.h. die Möglichkeiten der Textprozessierung, des direkten Online-Schreibens und vor allem des Verknüpfens von kleinen Texteinheiten, von entscheidender Bedeutung für die Art und Weise der Beteiligung der UserInnen sind - neben den konzeptuellen ästhetischen Ansätzen, einer langfristigen Betreuung und den sozialen Kontexten, in denen die jeweiligen Projekte eingebettet sind.

In diesem Zusammenhang sind die Erfahrungen mit dem HYPERKNAST interessant:

Als Replik auf die ersten Zensurmaßnahmen im Internet wurde eine krasse ironische Benutzermetapher gewählt, die als Weiterführung des amerikanischen Vorbilds des "Hypertext-Hotels" oder eben der doch sehr literarischen Bibliotheksmetapher eher mit netzpolitischen und netzkulturellen Strömungen interagieren konnte und zudem Bezug nimmt auf das Foucaultsche Überwachungsmodell des PANOPTIKONS: des Architekturmodells für Gefängnisse, Fabriken, Gesamtschulen ...

Auch thematisch ereignet sich hier einiges: Selbstbeschreibungen der monadenhaften Situation vor dem Internet-Monitor, gepaart mit der Sehnsucht nach weltkulturellen universellen Kommunikations- und Vernetzungsutopien, Szenen aus Science-Fiction-Erzählungen ... aber auch Materialien und Beschreibungen konkreter Knast-Situationen, Texte zur Isolationshaft ...

Unmittelbar daran anschießend, auf derselben Software aufgesetzt, läuft seit Sommer 2000 der kollaborative Science-Fiction "Odysseen im Netzraum":

Hier haben wir - neben umfangreichen Vorrecherchen und einer dezidierten Auswahl von Textmaterialien für mögliche Cut & Paste-Operationen - das Hauptaugenmerk auf das Herstellen von Schnittstellen gelegt:

- Schnittstellen zu anderen Schreib-Oberflächen und Online-Text-Generatoren (etwa dem Assoziationsblaster, Florian Cramers Text-Maschinen, Cut-Up-Generatoren oder auch Übersetzungsmaschinen),

- Schnittstellen zu thematischen Materialien (eingescannte Text-Materialien, Suchmaschinen),

- Schnittstellen zu sozialen Kontexten, in denen das Projekt vorgestellt wurde, teilweise auch Workshops und Schreibwerkstätten durchgeführt wurden (log.in, Buchmaschinen, interfiction),

- Schnittstellen zu online communities durch das Versenden von newslettern mit den neuesten Fortsetzungen und der Veröffentlichung von offenen Stellen zum Weiterschreiben (Science-Fiction Mailing-Listen, rohrpost und Mailing-List Netzliteratur, sowie an die Mitschreibenden, insofern sie ihre email angegeben haben, vgl. www.hyperdis.de/txt/schnittstellen.html).

Auf der Schnittstellen-Seite (www.hyperdis.de/hyperfiction/gvoon/) sind all diese Links und die Verweise auf die entsprechenden Arbeitsseiten versammelt, wobei im linken Fenster jeweils die CUT-Materialien erscheinen - während auf der rechten Seite die PASTE-Möglichkeiten erscheinen, eben die offenen Stellen in der vernetzten Struktur, an denen weitergeschrieben werden kann.

Das recht schlichte GVOON-Interface wurde somit durch den Einsatz einfacher Frame-Strukturen um die oben genannten Schnittstellen erweitert und somit den jeweiligen Anforderungen angepasst. Trotz der Wichtigkeit von Online-Aktivitäten und den Verbreitungsmöglichkeiten des Netzes hat sich gezeigt, dass die lokalen Aktivitäten gerade für die Herausbildung etwas tiefer gehender narrativer Strukturen eine sehr wichtige Rolle spielen. Auch aktuelle Ereignisse und Diskussionen fließen immer wieder in die ODYSSEEN ein (etwa die EXPO-Kritik / Parodie oder auch Feuilleton-Kriege - mit Sloterdijk & Co).

Neben dieser spielerischen Geschichten erzählenden Netz-Kollaboration läuft die Arbeit an einer kollaborativen Enzyklopädie, eine Fortsetzung von Forschungen zu den Interfaces, Tools und Oberflächen kulturwissenschaftlicher Diskurstechniken im Netz.

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Zur Dokumentation dieser frühen Mitschreibe-Experimente sowie den Gesamtbestand der Imaginären Bibliothek.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur HILFE-Seite mit der Erklärung der einzelnen Funktionen des GVOON-HYPERTEXT-TREES: Anzeige der Gesamtstruktur, der neusten Fortführungen, einer Index-Seite, sortiert nach AutorInnen und der Möglichkeit eines DOWNLOADS des gesamten Bestandes als komprimiertes HTML-Geflecht.

 

Eine Weiterführung einer solchen Parodie eines Wissenschafts-Agenten / Theoretikers findet sich auf der "Konfigurationen-CD-ROM", von der noch einige wenige Restexemplare gegen Porto angefordert werden können.