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Der
neu geschaffene soziale Raum der
Hyperfictions,
Cyberfictions, Webfictions,
der Netzliteratur und Welttexte
zeichnet sich aus durch ein hohes Mass an
Experimentalität, durch künstlerischen
Gestaltungswillen, der mehr als nur tradierte
Formen transportieren will, durch Hybridität,
durch narrative Eigenräumlichkeit, durch
Nichtendgültigkeit, Streben nach
Interaktivität und
Event-ualität. Die
hervorstechenden Merkmale dieses neuen Kultur- und
Literaturmilieus können aber wohl am
einprägsamsten mit den beiden Begriffen des
Transversalen und des
Transfugalen umschrieben
werden.
Als
transversal hat Wolfgang Welsch in
seiner Philosophie der zeitgenössischen
Vernunftkritik allgemeine Denk- und
Gestaltungsformen der Gegenwartsgesellschaft
bezeichnet. Schreiben und Denken im Netz, bzw. im
World Wide sind als solche praktische Vollzüge
transversaler Vernunft, die im Kontext von
Internetliteratur strukturbildenden Charakter haben
und sind, wie bspw. auch Mike Sandbothe feststellt,
nicht zu trennen von der kreativen Installation von
Hyperlinks, der ästhetischen Gestaltung des
Designs von Webseiten und dem geschickten
Programmieren mit HTML. Die auffallende
Bereitschaft, die neuen Denkformen der
Verflechtung, Verkreuzung unterschiedlicher Codes
und Vernetzung zu erproben, die Welsch in der
Sphäre der Kunst in sogenannten Hybridformen
entdeckt, lässt sich in der praktischen Arbeit
an Hypertexten beobachten und ohne
Einschränkung auch auf das neue literarische
Genre von Hyperfiktion übertragen.
Der Begriff des
Transfugalen dagegen umschreibt den
Tatbestand der transitorischen Flüchtigkeit,
der die neue Literaturform gleich in mehrfacher
Hinsicht bestimmt: a) Jeder Autor sein eigener
Herausgeber; b) relative Flüchtigkeit des
materialen Datenträgers, bzw. der binären
Datenspeicherung auf unterschiedlichsten, schnell
veraltenden Datenträgern; c) unbegrenzte
Eingriffsmöglichkeit über die Funktionen
Speichern und Löschen
sowie anderer Manipulationen. Aber nicht nur auf
der materialen Ebene des Mediums gilt dieses
Konstitutionsmoment des Transfugalen; es bestimmt
auch die Modalitäten des Umgangs, der
Produktion und der Rezeption, ebenso wie der
Textstruktur: Ihnen allen ist die Bewegung der
Durch-Flucht eingezeichnet.
Dr. phil. / Jg.
1962 / Studium der Germanistik und Kunstgeschichte
an der Universität Zürich und in den USA
/ Literaturwissenschafter, Journalist,
Sachbuchautor, Verleger (update verlag 2000) /
Bücher: Hyperfiktion und Interaktive Narration
(2000), Hyperfiction. Hyperliterarisches Lesebuch:
Internet und Literatur (1999, Mthrgs.) /
besuter@access.ch
/ http://www.hyperfiction.ch
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