www.dichtung-digital.de/Forum-Kassel-Okt-00/Tosca


Forum Ästhetik Digitaler Literatur

Tosca: Selbstreferentialität in Computer-Spielen

top - 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - Bibliographie

Fokussierung

Eigentlich ist “Rezeptionstheorie” ein missvertändlicher Begriff für unsere “work-in-progress” Spieleästhetik, da er zu eng mit der Literaturtheorie und mit einer Beschreibung des Rezeptionsprozesses, die gänzlich phänomenologisch ist verbunden ist (wie dies zum Beispiel bei Iser der Fall ist).

Aarseth spricht von Adventure Games als Kommunikationsprojekte und unterscheidet auf der Benutzerseite des Spektrums folgende Instanzen: den “wahren” User, den impliziten User (analog Isers implizitem Leser), der Intriguee (derjenige, dem die Intrigue gilt) und die Marionette (puppet), oder die Figur, die für den Spieler steht, wenn es im Spiel eine solche gibt. 

Aarseth warnt uns selbst vor den Gefahren einer solchen narratologischen Analyse: wir könnten vergessen, dass Spiele keine Erzählungen sind. Sein Modell greift dann auch zu kurz, um die Handlungsebenen fassen zu können, die ich eben beschrieben habe, denn er beschreibt den impliziten Leser als verantwortlich für die Handlungen und den Ausgang der Spiele, aber dies ist unpassend für ein Modell, in dem alle andere Instanzen phänomenologisch beschrieben werden. Sein Modell bezieht sich nur auf die narrativen Komponenten von Adventure Games, nicht auf ihre Handlungskomponenten oder auf andere Spiele.

Ich schlage statt dessen vor, das Modell um zwei zusätzliche Ebenen der phänomenologischen Fokalisation zu erweitern: die räumliche Fokalisation und die Handlungs-Fokalisation

In der Konvergenz alle dieser fokalen Perspektiven wird die Selbstreferentialität des Users in Spielen permanent neu verhandelt, und das macht den Prozess zu einem metatextuellen.

Fragen für eine weitere Diskussion sind, ob der Prozess sich in multiplayer environments (wenn mehrere Spieler beteiligt sind) verändert, oder ob diese Überlegungen über going beyond narrative auch für andere digitale Formen relevant sein könnten.

Dieser Artikel war für eine mündliche Vorstellung mit Powerpoint geschrieben. Ich will mich bei Anja Rau, Roberto Simanowski und Uwe Wirth bedanken für ihre liebenswürdige Hilfe bei der Übersetzung dieses Artikels, und bei Karin Wenz und der Universität Kassel, die den Flug zu diesem Kolloquium möglich gemacht haben.

 

Ihr Kommentar

to homepage dichtung-digital
home