Jan Ulrich Hasecke / 14. 02. 02
[www.dichtung-digital.de/Forum]Jan Ulrich Hasecke am 24. 2. 2002 in der Mailingliste Netzliteratur.de zu den im Forum aufgeworfenen Fragen:
Uns ist aber auch klar, dass es gar nicht so einfach ist, an öffentliche Mittel heranzukommen. Das Thema treibt mich schon seit Monaten um. Leider habe auch ich noch keinen Weg zu den Fördertöpfen gefunden. Und ich glaube, es hat auch nicht viel Sinn, sich alleine auf den Weg zu machen.
In einem
Artikel für das Portal habe ich die vielen, teilweise disparaten Gedanken der letzten Monate, einmal zusammengefasst. Der Titel des Artikels ist, so hoffe ich provokativ genug, um eine weitergehende Diskussion zu entfachen.
Für Lesefaule hier die wichtigsten ökonomischen Thesen:
1. Ein gutes Internetprojekt verursacht einen Arbeitsaufwand, der im Grunde nur noch durch eine Teilzeitkraft zu schultern ist.
2. Niemand von uns hat die Zeit, 2,5 Tage die Woche unentgeltlich zu arbeiten. Also gelten für gute Internetprojekte die gleichen ökonomischen Bedingungen wie für Offline-Projekte: eine Finanzierung muss her, sonst ist das Projekt am Ende.
3. Es wird niemals so viele Leser von Netzliteratur geben, dass literarische Internetprojekte von ihren Kunden leben können.
4. Bleiben nur zwei Wege, die natürlich im Grunde kombiniert werden müssen.
a. Bündelung von Ressourcen.
D.h. Nutzung einer gemeinsamen Infrastruktur, um Kosten zu sparen. Wo es möglich ist Fusion von Projekten, damit die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden kann.b. Öffentliche Förderung.
Letzteres bekommen wir nur, wenn dort, wo die Kulturetats verwaltet werden, die Wichtigkeit von Netzkultur erkannt wird.Wie aber soll das gehen?
Dass einem etwas wichtig geworden ist, merkt man spätestens dann, wenn es weg ist. Ich schlage daher eine Offline-Woche aller unentgeltlich arbeitenden Kulturprojekte im Internet vor, eine Art Internet-Generalstreik, um gegen die Ungleichbehandlung von Offline- und Online-Kultur zu protestieren. Millionen werden für seichte Filme, kommerzielle Popkultur und langweiliges Stadttheater ausgegeben. Dieses Geld ist bei uns besser angelegt.
Technisch könnte die Offline-Woche so ablaufen, dass alle streikenden Projekte durch einen Redirect auf eine zentrale Demo-Seite weiterleiten, wo die Besucher per Formular Protest-E-Mails an die Kultusminister der Länder sowie den Kulturstaatsminister versenden können. Vielleicht können wir Alvars Demo-Site dafür gewinnen.
Wer würde sich einer solchen Aktion anschließen?
Ciao
juh [http://www.sudelbuch.de]
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