www.dichtung-digital.de/Heibach/23-Aug-99/Heibach_Phoneme.htm


re:mixes: 'aeiou' und 'phonemeter'

Dem elektronisch verzerrten rhythmischen Vokalmantra 'aeiou' und seiner konsonantischen, musikalisch eher psychedelischen Entsprechung, 'phonemeter', die die puren Laute lustvoll feiern, steht die hypertheoretische Litanei der geschriebenen Wortlust gegenüber (die quasi nach einer rhythmisierten 'Verstimmlichung' schreit). Sie manifestiert sich in vielen Textpartien der 'hyper:liner:notes', besonders aber in dem 'Begriffsrap', der als Lesartenliste für PHON:E:ME angeboten wird:

 

"as Phonographic storyworld (lit-hop)
as Grammophonic impulse (word-trance)
as sound writing (psychoacoustical metafiction)
as writered-sound (manufactured groof artifacts)
as phonotextual hypermedia (space-time-matter of language)
as techno poetics (a network translator)
as high fi-sci-fi (sonic grammatology)
as soundz-n-narrative performance (on-the-fly digital re:mixing)
as concept and album (exploding skull rupture)"

[possible readings of phon:e:me]

Eher mantra-artig mutet dagegen der Text psychoacoustical analysis an:

"Streaming hypermedia consciousness crunching numbers sampling data-manipulating syntax spurting volumes. Disseminating viral memes into mainstream host accelerating the degenerative process of the corrupt and corrupting organism causing collective self-reflection and metafictional musings on the artist (...)."

Die Vielfalt der Bezeichnungen und Definitionen ist durchaus nicht inhaltsleer, stiftet aber ob ihrer Fülle eher Verwirrung als Klarheit über das Werk. Begriffskreationen und wortreiche Theorie-Explikationen durchziehen die Texte - eine Art sprach-rhythmische Version von "Hypertextual Consciousness". Jedoch bleibt es bei diesen plakativen Wortexzessen, ohne daß der Leser das Gefühl hat, die Gedanken entwickelten sich in eine bestimmte Richtung.

Was bei den Audio-Stücken innovativ wirkt - die Kompilation und Manipulation von Tonsequenzen gekoppelt mit Textvariationen, bleibt in der Schrift trotz der wortrhythmischen Experimente zu eindimensional und wirkt daher eher statisch als dynamisch und performativ.