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Thesen:
Avantgarde als Nachzügler der
Kulturindustrie?
- Der künstlerische
Hypertext galt in den ersten Jahren seiner Existenz als
Realisierung und damit als Bestätigung der Annahmen
fortschrittlicher Texttheorien. In der
Interaktivität und Nichtlinearität des neuen
Mediums verschwand angeblich der Autor. Und der Leser
wurde ermächtigt, seine Sinnstrukturen im Text zu
finden oder klickend und surfend zu
generieren.
- Heute wird zunehmend
deutlicher, daß die Avantgarde lediglich den
Rückzug der Theorie aus der Realität gedeckt
hat. Textbasierte Hyperfictions locken mehr Autoren als
Leser an. Der ermächtigte Leser scheint keineswegs
willens, die Arbeit des Autors zu
übernehmen.
- Die eigentlich neue
Kunstform aber ist das Computerspiel, das wie alle
publikumswirksamen Kunstformen teamproduziert,
kapitalintensiv und aus dem Blick des
bildungsbürgerlichen Wertekanons minderwertig
ist.
- Das prägende Modell
für Computerspiele in den letzten 10 Jahren ist
nicht das Buch, sondern der Film gewesen.
Adventure-Spiele, Strategie-Spiele, Simulationen oder
Rollenspiele wurden zu >Klassikern< ihrer Genres
und haben ein breites Publikum aus allen
Bevölkerungsschichten. Die Geltung der Namen von
Spieledesignern wie Ron Gilbert, John Romero oder Peter
Molyneux beweist, daß diese nun 30 Jahre alte
Kunstform sehr wohl ihre Autorhelden kennt.
Die Aufholjagd der
Intellektuellen, die neue Kunstform zu verstehen und zu
adaptieren, hat eben erst begonnen. Avantgarde als
Arrièregarde?
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Johannes Auer
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