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Der zweite Preisträger
des Pegasus-Wettbewerbs 1998, Trost der Bilder, ist
so multimedial wie der erste, Die Aaleskorte, und
zeigt dies schon im Titel an. Im Text ist dann allerdings
nur noch vom Trost der Worte die Rede, denn nach einer
Kritik der Psychographie, als dem betrügerischen
Versprechen "unbeschränkten Erfolgs durch bessere
Menschenkenntnis", und nach der Antithese "Das Leben ist
trostlos ...Das Brot fällt mit der Nutella-Seite voraus
in den Dreck ...und Sie werden sterben" werden den Lesern
Trostgeschichten angeboten. Um die für den Leser
geeignetsten Trostgeschichten zu ermitteln, soll dieser
jedoch zuvor in einem interaktiven Multiple-Choice-Test
durch die Beantwortung von sechs Fragen sein
Persönlichkeitsprofil erstellen. Die Fragen sind albern
oder abwegig, die Eingabe der Leser ergibt unlogische oder
widersprüchliche Reaktionen und führt nicht
wirklich zum Angebot individueller Geschichten, sondern nur
zu einer (recht fragwürdigen) individuellen Reihenfolge
der 13 Kurzgeschichten in den Rubriken Liebe, Sport, Kinder,
Autos, Drogen, Filme. -Die Eröffnung des
Werkes und auch einige allzu vordergründig in den
technischen Effekt verliebte Bildanimationen in den
folgenden Geschichten deuten auf das häufig zu
beobachtende Missverhältnis zwischen technischem
Engagement und semantischer Einholung der programmierten
Effekte. Da jedoch der wiederholte Unernst des Szenariums
den parodistischen Ansatz nicht übersehen lässt,
könnte der digitale Kitsch, der in dieser intendierten
Gestimmtheit des Technischen steckt, als ästhetisches
Konzept, gewissermaßen als eine Art modifiziertes
Camp verteidigt werden und dann auch wieder den Titel
rechtfertigen: der Trost liegt im Ornament und seiner
technischen Existenz, die animierten Bilder sind nichts
anderes als die gewollte Feier ihrer selbst. Für eine solche
Perspektive mangelt es den Geschichten allerdings an
mangelnder Qualität. Sie sind stilistisch zu gut (von
einigen Schnitzern abgesehen) und inhaltlich zu gewichtig,
um eine ambitionierte Präsentation des Bedeutungslosen
als Gesamtkonzept stützen zu können. Sie bedienen
weder den parodistischen Zugriff, mit dem "Trost der Bilder"
hinsichtlich der Psychographie begann, noch den bewußt
kitschigen, den manche technische Effekte nahe legten.
Gerade die Substanz der Geschichten entlarvt die
unreflektierte Verliebtheit der Autoren (oder des Designers
unter ihnen?) in technische Effekte. Trost der Bilder
erweist sich als eine lose Sammlung recht gut geschriebener
Geschichten und sehr gut programmierter Bildanimationen, die
ein Rahmen zusammenhalten soll, der in keiner der
möglichen Perspektiven trägt. Der Gewinn des Scheiterns -
der ungeplante Trost - sind einige Texte, die in origineller
und überzeugender Weise Wort und animiertes Bild
verbinden und ästhetische Ausdrucksformen finden, die
im Printmedium unmöglich sind. Hier ist das Bild nicht
nur illustrative Beigabe, sondern integraler Bestandteil der
literarischen Gestaltung, wobei die tiefere Ebene des Textes
zum Teil gerade im Bild liegt. "Trost der Bilder" ist
insofern zwar als Ganzes gescheitert, in seinen Teilen
jedoch ein interessanter Beitrag zur Ästhetik digitaler
Literatur. |