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Clinton, Atomspaltung und Computerviren Seit 1997 richten die
Saarbrückener Stadtwerke einen Fevzi Konuk,
Preisträger des Jahres 1998, hat Malerei an der HBKsaar
studiert, übrigens ebenso wie Leslie Huppert,
Preisträgerin von 1997. Der 1964 in Ankara Geborene
nimmt sich in seinem Die Web-Galerie der
Saarbrückener Stadtwerke linkt auf eine Startseite mit
folgenden Rubriken: Intro, Bemerkung, Statement, Fazit,
Actors sowie ein >Eingangs<-Link. Die >Intro<
legt den Akzent dreimal auf künstlerische Meditation:
"über einen mythischen Krieg ... über die
neuzeitlichen, Techno-Kriege ... über Waffen und Ihre
äesthetischen Wirkungen" (sic! zu beiden
Schreibfehlern) und endet mit der provokanten
Erklärung: "Nichts ist schöner als ein nukleares
Feuer. Nichts ist schöner als Homers Helena." Die
>Bemerkung< ist engagiert ("Immer fortgeschrittenere
Möglichkeiten die Energien, welche die Natur uns
anbietet, zu manipulieren. Es verlangt auch ein Mitwachsen
unserer Ethik, stellt uns in eine neue, komplexere
Verantwortung. Ein bewußter Umgang mit der Hightech
ist erstrebenswert"), das >Statement< ist drohend
("Ich traue den neuen Technologien nicht. Aber ich werde
mich hier nicht darüber äußern. Dieser
Diskurs wird in Zukunft noch mit brutaler Härte
geführt werden"), das >Fazit< ist zynisch: "Wo
gehobelt wird, fallen auch Späne". Die Rubrik
>Actor< führt 6 Figuren des Trojanischen Krieges
auf (diesen Links folgen wir später), der Klick auf den
Eingangs-Link bringt schließlich
zu folgender Index-Seite Die Index-Seite beginnt mit
einer automatisch aktivierten Tondatei: "Yesterday is
yesterday, if we tried to recapture it we would only loose
tomorrow", so Bill Clinton oder jemand, der wie Bill Clinton
klingt. Das schlägt das Thema an und lässt
zugleich an Willy Brands Ausspruch denken: Wenn wir aus der
Vergangenheit nicht lernen, werden wir die Zukunft nicht
meistern. Diesen beiden gegensätzlichen Ton-Dokumente
jüngeren Datums antwortet, parteiergreifend für
Brand, das Bild, das uns wenn nicht in das Yesterday so doch
in die Vergangenheit führt, und zwar mitten hinein:
Troja scheint schon zu brennen, aber Achilles ist noch auf
dem Weg zu seiner tödlichen Begegnung mit Paris, auf
dem Weg zum Trojanischen Pferd. Ein nach der Theorie der
Malerei gut gewählter punktum temporis, der das
Geschehene mit dem verbindet, was, wie wir wissen, geschehen
wird. Das Bild klärt zugleich
seine eigene Ikonographie: die Schiffe der Archaier, die
verdunkelte Sonne, das scheinbar brennende Troja, Achilles, dessen
Ferse. Der Akzent der Erstbegegnung mit Konuks "Digital
Troja" liegt, wen sollte es wundern, auf dem Tod: des
Lichtes, einer ganzen Stadt, des scheinbaren Siegers
Achilles. Der Klick mitten aufs Bild
bringt zur Seite
>Extrainformation<, die
unten abgebildet ist. Die linke Menüleiste dieser Seite
bleibt lange Zeit unzugänglich, weil eine Java
Application geladen wird. Diese erweist sich dann als die
Öffnung einer roten Kugel - Trojan Horse genannt
-, aus der etwas wie Gewehrläufe steigt, aus denen
etwas wie Abschussqualm steigt, der sich dann zu den
Begriffen Virus 1 und Virus 2
wandelt. Die aufwendige Animation
kann als Spaltung eines Atoms gelesen werden, das aber
Trojanisches Pferd genannt wird und eigentlich ein Virus
ist, womit die versprochene Anwendung des antiken Krieges
auf die Gegenwart begonnen hat. Zu dieser Lesart führt
die unter dem Punkt >Trojanisches Pferd< folgende
Die Menüpunkte
Warnung! und Achtung! wiederholen beide noch
einmal die Meldung über Computerviren. Ihre eigentliche
Funktion besteht wohl darin, auf die Kugel aufmerksam zu
machen, die sich in der rechten oberen Bildhälfte dreht
und nun einen Teil des erschienenen Textes verdeckt. Man ist
versucht, die Kugel mit der Maus fortzuschieben und stellt
fest, dass dies möglich ist. Man kann sie in der Tat
per drag and drop aus dem Bild bringen. Die Pointe liegt
darin, dass die Kugel wiederkommt, an die alte Stelle. Ein
überraschender Effekt mit Sinn: ein Hinweis auf die
Unentrinnbarkeit all dessen, womit diese Kugel zuvor
symbolisch aufgeladen wurde? Fevci Konuk beginnt sein Werk,
das durch die byte-intensive
Kugel-Pferd-Kernspaltung-Virus-Transformation
unerträglich lange Ladezeiten zumutet, mit semantischem
Tempo. |