Alvar Freudes und Dragan Espenschieds "Assoziations-Blaster" Bekanntlich ist es mit dem
Tod des Autors in traditionellen Hypertexten nicht weit her,
denn dort beherrscht dieser durch das Setzen von Links
selbst noch die Assoziationsmuster der
Intertextualität. Angesichts der erforderlichen Wahl
zwischen Navigationsalternativen von Interaktivität zu
sprechen, wäre ebenso ein Euphemismus. Der
Assoziations-Blaster wirkt wie eine Antwort auf das Dilemma.
Dieses Textnetzwerk ist nicht nur unüberbietbar in
seiner kollektiven Autorschaft es überantwortet auch
die Linkgewalt völlig an die Maschine, die alle Texte
automatisch nach den jeweils aufgefundenen Stichworten
verlinkt. Das Ziel der aufgeblasenen
Assoziationen ist, so liest man, "dem Zusammenhalt der Dinge
schlechthin auf die Spur zu kommen". Dass es wirklich um
Qualität der Erkenntnis geht, glaubt man nicht mehr,
wenn man sich mit einem eigenen Textbeitrag zu beteiligen
entscheidet und auf die unendliche Wiederholung des Wortes
bla den Kommentar "literarisch" erhält, auf eine kurze,
tiefgründige Sentenz aber: "sehr mager". Es scheint
eher um möglichst viele Verlinkungen zu gehen, um eine
Verbindung von allem mit jedem allein der Verbindung
wegen: das Leistungsprinzip im Gewand der
Informationsgesellschaft. Die Lesespur bestätigt
den Verdacht der interaktiven Banalität nur bedingt. Es
gibt jede Menge Datenmüll. Aber die Worte provozieren
auch die zu ihnen gehörenden Kommentare - "Sein"
führt irgendwann zu Hamlet und Descartes, und wo es das
nicht tut, könnte dies eine Markierung sein. Man muss
diese Art Textgeflechte mögen, vielleicht auch erst
sich an sie gewöhnen; dass es immer wieder genug
zu klicken gibt und dass es sich auch bei den miserabelsten
Beiträgen um authentische handelt, steht außer
Frage. Dem Vergleich mit Jean Pauls
ethischen Konzept des Witzes, der die verschiedensten
Begriffe und Wissensbereiche zusammenbringt, scheint der
Assoziations-Blaster nicht standhalten zu können. Dem
steht schon sein Prinzip entgegen, Assoziationen nach einer
verbrieften Ordnung (morphologische Gemeinsamkeit)
vorzunehmen. Aber auch hier sei man gewarnt vor zu schnellem
Urteil. Letztlich lässt sich dieses Projekt sogar als
eine Art Humanisierung des Jean Paulschen Ansatzes lesen:
Nicht Begriffe, sondern Menschen werden
zusammengeführt, nicht um die assoziierten Texte geht
es, sondern um die Association der Autoren. |