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"Perspektiven einer Ästhetik digitaler Literatur" "Lesen im Internet ist
wie Musikhören übers Telephon.", so lauten die
flotten Sprüche über Literatur im Netz - "it is
hard enough putting life in order without the chore of
organizing someone else's novel", so die informierteren
Einwände mit Blick auf Hypertext. Beide Zitate
verlangen grundlegende Klärung: Was ist Literatur im
Internet? Was ist ihr eigentliches Wesen? Was ihr
ästhetischer Gewinn? Die Abwehr der Zumutung,
den Text selbst zusammenstellen zu müssen (worauf v.a.
für Typus 4 basiert), provoziert einen Verweis auf
Simmels soziologische Ästhetik, in der die Form der
symmetrischen (harmonischen, ausgewogenen) Ästhetik dem
Ordnungsmodell des Sozialismus, die der asymmetrischen
(offeneren, ambivalenteren) dem der liberalen Gesellschaft
zugeschlagen wird. Die "niedrige Stufe des ästhetischen
Triebes", so Simmel, "spricht sich im Systembau aus". Dessen
Mangel kennzeichnet nun gerade die Hyperfiction; neben ihrem
modernen Konservatismus (Rückkehr zur intensiven
Lektüre) und ihrem Betrug ums Happy End. Andererseits
tendiert die Hyperfiction auch zur Banalisierung, indem die
Offenheit des Kunstwerks (Eco) hier mechanisiert und die
konnotative Ambivalenz mitunter der kombinatorischen
geopfert wird. Nach einem kritischen
Blick auf die alten Schlagwörter der (amerikanischen)
HT-Diskussion (Tod des Autors, Befreiung des Lesers) und auf
die beanspruchten theoretischen Bezugspunkte (Postmoderne,
Poststrukturalismus, Dekonstruktivismus) stellt der Beitrag
folgende Kategorien einer Ästhetik digitaler Literatur
auf: Multimedialität, Technikästhetik,
Performance, Navigationspflicht, Links,
Bildschirmästhetik. Bedeutung, Funktionsweise und
Problempunkte dieser Kriterien werden schließlich an
verschiedenen Beispielen digitaler Literatur des Typus' 4
und 5 erörtert. |