Lesen im Internet ist wie
Musikhören übers Telephon. Während es aber
gewiß niemandem einfiele, Telemann mit der Telekom
ins Haus zu holen, haben sich viele Menschen von der
Vorstellung einer Literatur im Internet beeindrucken
lassen. Literatur im Netz ist eine Totgeburt. Sie
scheitert schon als Idee, weil ihr Widersinn
womöglich nur noch von Hörspielen aus dem Handy
übertroffen wird.
Christian Benne, in DIE
ZEIT (37/1998)
Hypertext is sometimes
said to mimic real life, with its myriad opportunities
and surprising outcomes, but I already have a life, thank
you very much, and it is hard enough putting that in
order without the chore of organizing someone else's
novel.
Laura Miller,
Herausgeberin des Internet Magazines "Salon", in New York
Times (15.
März 1998)
Die vorgelegten Zitate zu
dem Thema, über das hier zu sprechen ist, beruhen auf
Mißverständnissen, die so populär sind,
daß dieser Text damit beginnen soll, sie
auszuräumen. Dies wird bereits in medias res
führen und einige definitorische wie typologische
Klärungen bringen. In einem zweiten Schritt werden die
theoretischen Bezüge und die historischen Vorbilder der
strukturellen Offenheit von Hypertext vorgestellt. In einem
dritten Schritt werden Kriterien einer ästhetischen
bzw. poetologischen Betrachtung und Bewertung digitaler
Literatur aufgelistet und an einigen Beispielen
illustriert.
Inhalt
- Digitale
Literatur als Mißverständnis
(2)
Begriffsbestimmung / Typologie / Rückkehr der
intensiven Lektüre /Verweigerung des Happy Ends
- Hyperfiction
als offenes Kunstwerk (3)
Theoretischer Bezug / Historische Vorbilder / konnotative
und kombinatorische Offenheit
- Ästhetische
Kriterien (4)
Multimedialität / Technikästhetik / Performance
/ Navigationspflicht / Links / Bildschirmästhetik
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