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Freedom
Bairds Mass
Transit, 1996
entstanden innerhalb eines electronic writing seminars von
Janet Murray am MIT, zeigt, wie man einen Hypertext nach
personalen, lokalen und zeitlichen Aspekten verlinkt und
dabei eine recht kurzweilge Geschichte produziert. Die
Splash-Site beschreibt lapidar die Situation: "A warm
sunny Saturday in New York City in June of '96. The
Metropolitan Transit Authority reports that all buses and
trains are running on or close to schedule."
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Mass
Trans ist die Geschichte von sechs Personen, die an
einem Junisamstagnachmittag 1996 zwischen 10 und 18
Uhr in Manhattan unterwegs sind: ein Busfahrer
(Jason), der Probleme mit seinen Augen hat, ein
Limousinenfahrer (Bruce), der einen Filmstar
(Danny) zu einer Aufnahme bringt, ein high scholl
Student (Charlie), der sein erstes Date hat, ein
12jähriges Mädchen (Delphine), das mit
seiner Tante (Rita) zum Essen verabredet ist.
Eine Karte von Manhattan markiert das Feld, in dem
die folgenden Ereignisse sich abspielen werden. Sie
ist linkaktiv in verschiedener Hinsicht. Die Map
Legend bietet zunächst Zugang zu den
Steckbriefen der beteiligten Personen. Delphines,
der zugleich einen Link zu Rita bereithält,
sieht aus wie folgt:
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Delphine
Jones, a 12 year old girl from Washington Heights.
Today she's being taken by her older cousin
Rita to have lunch at Windows on the World
atop the World trade center. The restaurant has a
dress code, so she has to wear something
appropriate. She has a 24 hour stomach
flu.
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Die Uhr ist verlinkt mit den
zeitlichen Stationen der Geschichte.
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Von hier aus kann man direkt
die entsprechenden Situationen aufrufen und jeweils zwischen
diesen und den beteiligten Personen umschalten. Man kann
aber auch erst einmal ganz konservativ chronologisch mit
einer Person an ihrem Anfang beginnen. Dazu klickt man auf
der Karte auf die den Personen farblich zugeordneten
Quadrate, und erhält bei Rot zu Danny:
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Hey.
Check out that kid noticing me. Guess I'm
not supposed to care about that crap, but sometimes
it gets me up in the morning. Looks like a nice
regular kid too. Be my lucky day when I can't stand
that type-a thing anymore. "Lemme get a
bagel-with-lox special with a plain black coffee.
None-a that hazelnut crap. Yeah. Thanks a lot. And
lemme get some-a these Baci's." I love these
things. They got those dopey love fortunes. Mr.
Zabar, you got good taste in chocolate. Guess I
should be studyin' my lines. Hell, I can't do that
here. Someone might notice. I'll go over 'em in
the limo. Wonder if DeNiro is gonna be a
bitch to work for. That's what everyone says. Maybe
it'll help that him and me have some common
ancestry. Heh. I gotta keep this Baci fortune: "In
the eyes of love, scars look like dimples." Yeah.
And I'm one big walkin' fuckin' dimple.
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>Check out that
kid< linkt zu Charlie, der Danny offenbar auf seinem
Weg zu Bruces >limo< auffällt. Der Leser
hat nun alternative Alternativen: sie kann zu Charlie
wechseln oder zu Bruce oder einfach bei Danny bleiben, indem
sie auf der Manhattan-Karte auf dessen nächste Station
klickt, die inzwischen in der Karte erschienen ist, deren
Uhrzeiger nun auch etwas vorgerückt sind. Auf diese
Weise verfolgt man, horizontal oder vertikal, die
verschiedenen Geschichten der verschiedenen Personen und
lernt diese allmählich kennen: der Limo-Driver Bruce
wird dem Schauspieler Danny von einem Filmscript
erzählen, das im Handschuhfach liegt, Delphine hat ihre
Gedanken zu Rita, Rita hat ihre zu Delphine, Charlie ist
erfolgreich mit seinem Date, Jason, der Busfahrer, glaubt,
blind zu werden, weil er Bruces Limousine nicht sieht und
rammt, was wiederum wegen einer plötzlich eintretenden
Sonnenfinsternis geschieht, von der Jason nichts wusste.
Sicher, ein etwas unglaubwürdiger
Aufhänger; immerhin bringt dieser Unfall alle
Beteiligten zusammen, und darauf läuft diese
Hypertext-Geschichte ja hinaus.
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Mass
Trans arbeitet offenbar mit Robert Altmanns Konzept
der short cuts, nur können die hier vom Leser
selbst vorgenommen werden. Die Texte zu den
jeweiligen Erlebnissen der Personen bieten mit
ihren Links zu den Erlebnissträngen der
anderen Personen die Gelegenheit einer springenden
Lektüre. Die Manhattan-Karte, die sich im
Fortgang der Ereignisse bzw. Zeit verändert,
bietet zudem immer auch die Möglichkeit, die
Chronologie rückwärts und punktuell zu
lesen. Wann immer man will, kann man zu einer der
anderen Personen umschalten, an einem anderen Ort
Manhattans sein. Um 6pm ist die Karte so komplett,
wie die nebenstehende Grafik zeigt.
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Der Reiz dieses Werks
besteht in eben dieser Möglichkeit des Umschaltens bzw.
darin, das Geschichtengeflecht auf verschiedene Weisen,
punktuell oder chronologisch, orts- oder personenengebunden,
lesen zu können. In dem Fall, da zwei Personen der
Geschichte unmittelbar miteinander zu tun haben, führt
dies zum reizvollen, wenn auch nicht neuen Stilmittel des
dialogischen Perspektivenwechsels. So wissen die Leser
gleich, was der eine von den Dingen hält, die der
andere äußert, z. B. wenn Rita schließlich
auf Bruce trifft und sein "nice mouth" notiert, während
jener ein "spark of recognition" in ihren Augen zu entdecken
glaubt und es für möglich hält, jetzt doch
nicht geradewegs nach Hause zu fahren. >spark< linkt
übrigens zu Rita, >nice mouth< aber zu Charlie,
der noch über seinen ersten Kuss mit seinem Date
sinnt; diese Linklogik ist so plakativ wie zwingend,
denn wohin sollte "nice mouth" sonst führen, und warum
dann nicht zu den Küssen andere. - Check it
out!
Ihr
Kommentar

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