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Liebe
Leser von dichtung-digital
herzlich Willkommen zur
Mai-Ausgabe.
Wenn ein Textprogramm auf
User-Input hin aus den Wörtern einer Erzählung
einen neuen Text produziert, wer ist dann der Autor: Der
User, das Textprogramm, dessen Programmierer oder der Autor
der zugrundegelegten Erzählung? Simon Biggs wirft mit
seinem Projekt "Great Wall of China" diese Frage auf. Die
andere lautet:: Inwiefern muss man Kafkas Erzählung "Beim
Bau der Chinesischen Mauer" kennen, um Biggs Zufallsexte zu verstehen. Wie Besprechung des Projekts und
Interview mit Biggs zeigen, kann man da durchaus
verschiedener Meinung sein.
Verschiedener Meinung sind,
was Gegenwart und Zukunft der 'digitalen Revolution'
betrifft, auf jeden Fall Nicholas Negroponte und Florian Rötzer:
Euphorisch der eine, kulturkritisch der andere, lesen sich
beide am besten im Doppelpack - so das Ergebnis bei der erneuten Lektüre.
Der Geschichte und
Vorgeschichte elektronischer Poesie und Literatur widmen
sich Patrick-Henri Burgaud - mit Blick auf Frankreich -
sowie Peter Gendolla und Jörgen Schäfer - mit
Blick auf die Vorläufer im Barock. Während diese
gegen den Fokus auf die apparativen Dispositive
argumentieren und für die Tradition der klassischen
Avantgarde als Bezugsfeld rechnergestützter Literatur,
bestätigt jener, dass die Avantgarde von einst (die
Vertreter des "Atelier de Littérature assistée
par la Mathématique et les Ordinateurs") mit der
Avantgarde von heute (die, wie Burgaud selbst, nicht
nur auf computergenerierte Literatur aus ist, sondern auf
Literatur des/im Computer) nicht viel anfangen kann.
Eher theoretische
Beiträge zum elektronischen Schreiben liefern
Shuen-shing Lees aus Taiwan und Loss Pequeño Glazier
aus den USA, während eine Besprechung zu Harold A.
Innis' "Kreuzwege der Kommunikation" den Blick auf den
ersten Vertreter der modernen Medientheorie lenkt. Wer es
lieber etwas konkreter hat, mag sich an die Besprechung zu
Esther Hunzikers Projekt-Galerie "un focus" halten: mit dem
Palimpsest, das nicht vergessen kann, und neun weiteren
Beispielen digitaler Rhetorik.
Neu seit dieser Ausgabe: Alle Beiträge können auch für den
Palm runtergeladen und somit endlich unterwegs gelesen werden. Vierl Spaß dabei wünscht,
wie immer dankbar über Feedbacks und Tips,
Roberto Simanowski
Berlin, 31. Mai 2002
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