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Liebe Leser,
willkommen zu
dichtung-digital 2/2004
Hyperfiction bleibt das
Sorgenkind digitaler Literatur. So jedenfalls liest sich
Gilbert Dietrichs Besprechung zu Esther Hunzikers
Hyperfiction "Nord", deren konsequente Multimedialität
und Inszenierung literarischen Kategorien entgegensteht. Hat
digitale Literatur eine Zukunft? John Cayley
gibt ein eindrucksvolles Beispiel mit seinem
'time-based' "Overboard", das ganz ohne Links auskommt. Hier
taucht der Text unter wie der Mann, von dem die Rede ist.
Auch Noah Wardrip-Fruin produziert digitale Literatur
ohne Links, in denen der Text trotzdem mehr ist als
Ornament. Ob das Online-Projekt "The Impermanence Agent",
das Performance-Stück "Talking Cure" oder das
3D-Cave-Werk "Screen", immer verbindet sich ein
traditioneller Text mit den Effekten digitaler Medien und
erhält dadurch seine eigentliche Bedeutung. Mark
Amerikas "Filmtext 2.0" dagegen, so Roberto
Simanowskis Fazit, gibt das Erzählen ganz auf
zugunsten des Remixes einer Theoriedebatte zu
Wahrnehmungsfragen in effektvollem, nicht ganz kitschfreiem
Flashdesign. Was die digitalisierte Literatur betrifft, so
fragt Sadhana Naithani nach den Konsequenzen dieser
neuen Präsentations- und Distributionsform für
Literaturtheorie, Literaturpädagogik und
Verlagsindustrie: Sind Benjamins Analyse der Verbindung
zwischen Technologie und kapitalistischer Politik und
Adornos Kritik der "Kulturindustrie" noch
relevant?
Ein zweiter Schwerpunkt
dieser Ausgabe ist das Computerspiel. Julian
Kücklich geht der Frage nach, welche
Möglichkeiten man in Computer- und Viedeospielen hat,
das Spiel zu verändern und seine Regeln zu unterlaufen
oder neu zu bestimmen. In einer Besprechung zu "First
Person. New Media as Story, Performance, and Game"
diskutiert Kücklich kritisch, inwiefern das Buch
handbare Ansätze anbietet zur Frage, ob Computer Games
eine Form elektronischer Literatur darstellen.
Dritter Schwerpunkt ist die
Interaktion als Aspekt moderner Ästhetik. Elivira
Barriga diskutiert den Interaktions-Begriff systematisch
und verweist auf seine Herkunft aus den Sozialwissenschaften
sowie auf seine ideologische Funktion in den
partizipatorischen Konzepten der Avantgarde. Dieter Daniels
erläutert in seinem Buch "Vom Readymade zum Cyberspace"
die Ursprünge des Interaktions-Konzepts in der
Avantgarde und seine Pervertierung in den Massenmedienf.
Roberto Simanowski hat das Buch gelesen und kommentiert.
Bill Seaman praktiziert Interaktivität in seiner
Video-Tanz-Installation "Exchange Fields", das Roberto
Simanowski auf seine verschiedenen Lesarten hin
erkundet.
Berlin, im August
2004
Roberto
Simanowski
dichtung-digital
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