Digitale
Literatur ist eine künstlerische Ausdrucksform, die
der digitalen Medien als Existenzgrundlage bedarf, weil
sie sich durch mindestens eines der spezifischen Merkmale
digitaler Medien - Interaktivität,
Intermedialität, Inszenierung -
auszeichnet.
Mit
Interaktivität
ist die Teilhabe des
Rezipienten an der Konstruktion des Werkes gemeint, was
zum einen in Reaktion auf Eigenschaften des Werkes, zum
andern in Reaktion auf Handlungen anderer Rezipienten
erfolgen kann. Im ersten Falle handelt es sich um
programmierte Interaktivität, die zwischen Mensch
und Software stattfindet; im zweiten handelt es sich um
netzgebundene Interaktivität, die zwischen Mensch
und Mensch mittels Software stattfindet. Zur ersten
Gruppe gehören die Hyperfiction oder andere
kombinatorische Werke, bei denen der Leser durch
Linkentscheidungen die Gestalt des Werkes im vorgegebenen
Rahmen bestimmen kann. Zur zweiten Gruppe gehören
die Mitschreibprojekte.
Mit
Intermedialität
ist die Verbindung von Text, Bild und Ton gemeint. Diese
ist freilich nur schwach ausgereizt, wenn ein Text mit
einer recht beliebigen Musikschleife unterlegt oder durch
ein illustrierendes Bild begleitet wird. Hier erwartet
man mehr; zum Beispiel dass ein Bild sich selbst
dekonstruiert oder dass der Sound einen Gegentext zum
Wort bildet.
Inszenierung
steht für die Programmierung einer werkimmanenten
oder rezeptionsabhängigen Performance. Dem digitalen
Werk können auf seinen unsichtbaren Textebenen (im
HTML-Quellcode oder in den Bild- und Tondatei) Aspekte
der Aufführung eingeschrieben werden, so dass die
Worte und Bilder gewissermaßen ihren 'Auftritt'
haben. Das Stichwort dazu kann vom Programm kommen oder
vom Betrachter durch bestimmte Inputs.
Zum Artikel Digitale
Literatur: Definition und
Typologie von Mai
1999.
Zum überarbeiteten, erweitereten Einsteigeressay
vom März 2001.