www.dichtung-digital.de/konzepte/house-projekt.htm


Krusche / Grond / Zeyringer
Ein Projekt über das Fremde
www.kultur.at/house.htm

  • Die Grundkonzeption ist das künstlerisch, wissenschaftlich, politisch gespeiste Impuls-Netzwerk - in einer weiter geführten Strategie des Story-Telling zur Erkennung, Vermittlung und womöglich Meisterung von Problemen: Also keineswegs ein Roman, den dann mehrere geschrieben hätten; sondern eine Öffnung im Weiter-Schreiben, Weiter-Ab-Bilden, Weiter-Denken
  • Der Roman bleibt auf dem Papier, zwischen Buchdeckeln. Sein Kommunikationsraum freilich geht sehr weit auf: im Internet, als wahrlicher Hypertext, als Verschaltung einer Schnittstellen-Kaskade.

Kunst, Literatur bietet den Zugang zu Welten und Tiefenschichten, die sich prinzipiell in einer Rezeptions- und Reflexionskette als unendlich erweisen können. Derartige Ketten-Reaktionen gehören ja geradezu zu den auffallenden Möglichkeiten, die im Medium Internet angelegt sind. Beide Bereiche, Kunst und Web, mögen sich somit in Bezug auf umfassende Welten-Dimensionen in einem Sinn-Bild decken: Hier kann ein Wurf in allen Gewässern Wellen schlagen.

Die Grundkonzeption von kultur.at und insbesondere von kultur.at/house.htm ist das künstlerisch, wissenschaftlich, politisch gespeiste Impuls-Netzwerk, das tendenziell alle Welten zu verbinden vermag, zugleich ernsthaft und spielerisch - in einer weiter geführten Strategie des Story-Telling zur Erkennung, Vermittlung und womöglich Meisterung von Problemen: Also keineswegs ein Roman, den dann mehrere geschrieben hätten; sondern eine Öffnung im Weiter-Schreiben, Weiter-Ab-Bilden, Weiter-Denken...

Ausgangspunkt ist der Roman Old Danube House von Walter Grond, der im August 2000 im Innsbrucker Haymon-Verlag erscheint. Um ihn herum können Wellen in alle möglichen Bereiche schwappen, sich dort dann verselbständigen oder auch wieder zurückfluten. Das entsprechende mediale Gerüst erstellte Martin Krusche in Zusammenarbeit mit Grond und dann mit Klaus Zeyringer, der als Literatur- und Kulturwissenschaftler eine weitere Diskursebene eröffnet. Krusche konnte dabei auf negative Erfahrungen in einer (überraschend engen) Netzkultur zurückgreifen; Grond auf jene seines Scheiterns im Kunstbetrieb einer sakralisierten Avantgarde (als Vorsitzender des Grazer "Forum Stadtpark"); Zeyringer auf jene einer eher "geschlossenen" (Auslands-)Germanistik - die Position im "Draußen" scheint eine initiative "Offenheit" zu fördern, in der vielleicht auch Kunst und Wissenschaften in Ansätzen aus ihren kleinen Bereichen heraussteigen...

Der Künstler-Rebell, so Grond 1992 in dem Band Stimmen, schien in die Jahre gekommen, die medientechnische Höhe der Jahrtausendwende verlange einen neuen Künstler: Der "transindividuelle Autor" wurde in dem vielschichtigen Kunst-Reise-Projekt Absolut erprobt, das als poetischer Staffellauf 1995 mit dem von 21 Autorinnen und Autoren geschriebenen Roman Grond Absolut Homer einen Abschluß fand - er zielte auf ein Erzählen, das zwischen individuellem Bewußtsein und Weltgedächtnis flottiert.

Und dies kann, in erweiterter Dimension, auch für kultur.at gelten, das die Utopie unendlicher Projekt-Kunst-Welten-Ausdehnungen anspielt, indem es verschiedene Möglichkeitsräume, in Bild und Sprache, schafft und deren Entstehung zugleich mitdokumentiert, mitreflektiert: Von Sarajevo bis zur Roboterchirurgie, von der politischen Situation in Österreich bis zur Intellektualität in Rio de Janeiro, von Fragen der Ökonomie bis zur Diskussion des Kunstbegriffes, von Migration bis zur Genforschung - als hybrider Spiegel von Welten der Mélange, als Forum für Begegnungen einander fremder Bereiche, als Projekt über das Fremde.

In einer neuen Situation von Vermittlungsmöglichkeiten und Kommunikationsverhalten läßt sich ein wachsendes Zusammenspiel binär codierter Medien ausloten. Eine klare und benützerfreundliche Strukturierung soll im house-Projekt Lesbarkeit gewährleisten und zugleich die Komplexität der Makrostrukturen vorführen; "einfach" kann nur die Fiktion des Romanes sein.

Der Roman bleibt auf dem Papier, zwischen Buchdeckeln. Sein Kommunikationsraum freilich geht sehr weit auf: im Internet, als wahrlicher Hypertext, als Verschaltung einer Schnittstellen-Kaskade, "in diversen Medien bis zu den interaktiven, vor allem jedoch intersubjektiv existierenden Rezipienten, die ja auch Schnittstellen sind" (Herbert J. Wimmer).

Das house-Projekt hat vier Ebenen, die ständig mit diversen anderen Sites verlinkt werden können und auch immer an die Räume von kultur.at angeschlossen sind (Politik, Medien, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft...):

1. Ebene: (old) exponat
2. Ebene: (danube) subtext
3. Ebene: (dhouse) kontext
Backstage: (diskurs) essays

  1. Die 1. Ebene bietet Exponate, die von Krusche aus dem Romanmanuskript extrahiert wurden, sowie Reaktionen von Zeyringer.
  2. Die 2. Ebene geht von den Exponaten aus und ist als Subtextebene dazugeschrieben und mit Fundstücken ausgestattet, zum Beispiel mit Scans von Artefakten, die Grond von seiner Recherche für den Roman mitgebracht hat.
  3. Die 3. Ebene ist jene, in welcher der Möglichkeits-, Themen- und Kommunikationsraum ohne Limit geöffnet wird: Kontext, soweit Sinn(e) und Gedanken reichen mögen. Jeder dieser drei Teilbereiche hat eine eigene Homepage (Startseite) und eine eigene Corepage (Bereichsübersicht).
  4. Die 4. Ebene verzweigt sich in die Tiefe der Diskurse und Debatten; dort sind auch weiterführende Links angebunden.

Das ganze Projekt ist nach einem "Eisbergmodell" aufgebaut: Die Benützer und Benützerinnen entscheiden selbst, wie tief sie eintauchen wollen. (Navigationshilfen gibt es auf jeder Seite des Projektes.) Hier ist das Prinzip des Hypertextes ernst genommen und nicht zuletzt auch als lustvolle Aufbereitung aufnehmbar, der man sich - von Ebene zu Ebene k(l)ickend - hingeben kann, so von unzähligen Schnittstellen vielfältig profitierend, von einem Dokuversum, das ins potentiell Endlose hinausstürzt...


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