Kunst, Literatur bietet den
Zugang zu Welten und Tiefenschichten, die sich prinzipiell
in einer Rezeptions- und Reflexionskette als unendlich
erweisen können. Derartige Ketten-Reaktionen
gehören ja geradezu zu den auffallenden
Möglichkeiten, die im Medium Internet angelegt sind.
Beide Bereiche, Kunst und Web, mögen sich somit in
Bezug auf umfassende Welten-Dimensionen in einem Sinn-Bild
decken: Hier kann ein Wurf in allen Gewässern Wellen
schlagen.
Die Grundkonzeption von
kultur.at und insbesondere von kultur.at/house.htm ist das
künstlerisch, wissenschaftlich, politisch gespeiste
Impuls-Netzwerk, das tendenziell alle Welten zu verbinden
vermag, zugleich ernsthaft und spielerisch - in einer weiter
geführten Strategie des Story-Telling zur Erkennung,
Vermittlung und womöglich Meisterung von Problemen:
Also keineswegs ein Roman, den dann mehrere geschrieben
hätten; sondern eine Öffnung im Weiter-Schreiben,
Weiter-Ab-Bilden, Weiter-Denken...
Ausgangspunkt ist der Roman
Old Danube House von Walter Grond, der im August 2000
im Innsbrucker Haymon-Verlag erscheint. Um ihn herum
können Wellen in alle möglichen Bereiche
schwappen, sich dort dann verselbständigen oder auch
wieder zurückfluten. Das entsprechende mediale
Gerüst erstellte Martin Krusche in Zusammenarbeit mit
Grond und dann mit Klaus Zeyringer, der als Literatur- und
Kulturwissenschaftler eine weitere Diskursebene
eröffnet. Krusche konnte dabei auf negative Erfahrungen
in einer (überraschend engen) Netzkultur
zurückgreifen; Grond auf jene seines Scheiterns im
Kunstbetrieb einer sakralisierten Avantgarde (als
Vorsitzender des Grazer "Forum Stadtpark"); Zeyringer auf
jene einer eher "geschlossenen" (Auslands-)Germanistik - die
Position im "Draußen" scheint eine initiative
"Offenheit" zu fördern, in der vielleicht auch Kunst
und Wissenschaften in Ansätzen aus ihren kleinen
Bereichen heraussteigen...
Der Künstler-Rebell, so
Grond 1992 in dem Band Stimmen, schien in die Jahre
gekommen, die medientechnische Höhe der
Jahrtausendwende verlange einen neuen Künstler: Der
"transindividuelle Autor" wurde in dem vielschichtigen
Kunst-Reise-Projekt Absolut erprobt, das als
poetischer Staffellauf 1995 mit dem von 21 Autorinnen und
Autoren geschriebenen Roman Grond Absolut Homer einen
Abschluß fand - er zielte auf ein Erzählen, das
zwischen individuellem Bewußtsein und
Weltgedächtnis flottiert.
Und dies kann, in
erweiterter Dimension, auch für kultur.at gelten, das
die Utopie unendlicher Projekt-Kunst-Welten-Ausdehnungen
anspielt, indem es verschiedene Möglichkeitsräume,
in Bild und Sprache, schafft und deren Entstehung zugleich
mitdokumentiert, mitreflektiert: Von Sarajevo bis zur
Roboterchirurgie, von der politischen Situation in
Österreich bis zur Intellektualität in Rio de
Janeiro, von Fragen der Ökonomie bis zur Diskussion des
Kunstbegriffes, von Migration bis zur Genforschung - als
hybrider Spiegel von Welten der Mélange, als Forum
für Begegnungen einander fremder Bereiche, als Projekt
über das Fremde.
In einer neuen Situation von
Vermittlungsmöglichkeiten und Kommunikationsverhalten
läßt sich ein wachsendes Zusammenspiel binär
codierter Medien ausloten. Eine klare und
benützerfreundliche Strukturierung soll im
house-Projekt Lesbarkeit gewährleisten und zugleich die
Komplexität der Makrostrukturen vorführen;
"einfach" kann nur die Fiktion des Romanes sein.
Der Roman bleibt auf dem
Papier, zwischen Buchdeckeln. Sein Kommunikationsraum
freilich geht sehr weit auf: im Internet, als wahrlicher
Hypertext, als Verschaltung einer Schnittstellen-Kaskade,
"in diversen Medien bis zu den interaktiven, vor allem
jedoch intersubjektiv existierenden Rezipienten, die ja auch
Schnittstellen sind" (Herbert J. Wimmer).
Das house-Projekt hat vier
Ebenen, die ständig mit diversen anderen Sites verlinkt
werden können und auch immer an die Räume von
kultur.at angeschlossen sind (Politik, Medien, Kultur,
Wirtschaft, Wissenschaft...):
1. Ebene: (old) exponat
2. Ebene: (danube) subtext
3. Ebene: (dhouse) kontext
Backstage: (diskurs) essays
- Die 1. Ebene bietet
Exponate, die von Krusche aus dem Romanmanuskript
extrahiert wurden, sowie Reaktionen von Zeyringer.
- Die 2. Ebene geht von
den Exponaten aus und ist als Subtextebene
dazugeschrieben und mit Fundstücken ausgestattet,
zum Beispiel mit Scans von Artefakten, die Grond von
seiner Recherche für den Roman mitgebracht hat.
- Die 3. Ebene ist jene,
in welcher der Möglichkeits-, Themen- und
Kommunikationsraum ohne Limit geöffnet wird:
Kontext, soweit Sinn(e) und Gedanken reichen mögen.
Jeder dieser drei Teilbereiche hat eine eigene Homepage
(Startseite) und eine eigene Corepage
(Bereichsübersicht).
- Die 4. Ebene verzweigt
sich in die Tiefe der Diskurse und Debatten; dort sind
auch weiterführende Links angebunden.
Das ganze Projekt ist nach
einem "Eisbergmodell" aufgebaut: Die Benützer und
Benützerinnen entscheiden selbst, wie tief sie
eintauchen wollen. (Navigationshilfen gibt es auf jeder
Seite des Projektes.) Hier ist das Prinzip des Hypertextes
ernst genommen und nicht zuletzt auch als lustvolle
Aufbereitung aufnehmbar, der man sich - von Ebene zu Ebene
k(l)ickend - hingeben kann, so von unzähligen
Schnittstellen vielfältig profitierend, von einem
Dokuversum, das ins potentiell Endlose
hinausstürzt...
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